Nein! Ich will das nicht!

Geschichten zum Vorlesen und Drüberreden für die Prävention von sexuellem Missbrauch

Manuela Dirolf

Verlag an der Ruhr

Mühlheim an der Ruhr 2013, 80 Seiten, 14,95 Euro

 

Eine Kriminalpolizistin schreibt sechs Geschichten für Kinder ab 8 Jahren zum Thema „sexueller Missbrauch“. Kann das aus Sicht einer Fachstelle zur Prävention gutgehen? JEIN.

Sprachlich sind die Geschichten nicht immer schön formuliert, die Leser*innen merken schnell, dass hier jemand zwar mit Engagement geschrieben hat, eigentlich aber keine Schriftstellerin ist. Da hätte ich mir ein besseres Lektorat des Verlags gewünscht. Auch manche Ungenauigkeiten wären dadurch vielleicht behoben worden. So schreibt Dirolf in ihrem Vorwort an das „Liebe(s) Kind“, dass sie ihren Beruf noch nicht verrät, „ich arbeite getarnt“ und fährt wenige Sätze später so fort, dass sie über Täter spricht, die sich durch ihr Verhalten „tarnen“. Solche Formulierungsfehler sind verwirrend und unnötig. Auch der Satz „Was macht denn ein sexueller Missbraucher oder eine sexuelle Missbraucherin?“ als Einleitung für die folgenden Geschichten ist nicht wirklich passend formuliert. Dirolf schwankt zwischen einer Sprache, die für Kinder angemessen sein soll und ihrer eigenen Erwachsenensprache. „Ich möchte … dir damit aufzeigen, wie man sich als Kind geeignet gegen sexuellen Missbrauch … ganz toll wehren kann“, ist dafür ein Beispiel.

In den Geschichten kommen Mädchen* und Jungen* zwischen 5 und ca. 13 Jahren als Betroffene sexueller Gewalt vor. Die Täter sind alles Männer, zwischen etwa 15 und 60 Jahren. Fremde Personen, aber auch ein Cousin, verhalten sich als Grabscher im Schwimmbad, als Spanner und Exhibitionist auf dem Spielplatz, als Internettäter bzw. im realen Leben sexuell missbrauchend oder grenzverletzend. Ein Fall stellt sich als Missverständnis heraus, der Opa hat den Jungen abgeholt, ohne der Mutter vorher Bescheid zu sagen.

Ängste und Schuldgefühle von Kindern werden insgesamt realistisch dargestellt, Eltern (Mütter und Väter) verhalten sich immer positiv und unterstützend. Die Polizei wird, außer im Fall des sexuellen Missbrauchs durch den Cousin, immer einbezogen und erweist sich in allen Fällen sehr unkompliziert als „Freund und Helfer“. Aus der Praxis ist bekannt, dass es da durchaus auch problematische Konstellationen für Betroffene geben kann.

Abschließend gibt Dirolf Tipps für „deinen Schutz“. Bedauerlicherweise beziehen sich alle Tipps auf Übergriffe durch Fremdtäter, die, wie wir alle wissen, nur zu einem geringen Teil die Verantwortlichen für sexuellen Missbrauch sind. Viel häufiger sind Fälle in der Familie und im sozialen Nahraum von Kindern und Jugendlichen.

Die Illustrationen von Julia Flasche sind grundsätzlich schön gemacht, allerdings zeigen sie häufig Bilder, die ängstigen (sollen?). So geht Prävention eigentlich nicht, das wissen Fachleute seid längerem. Schon das Titelbild wäre passender zu wählen gewesen. Auch das Bild auf dem Spielplatz (S. 16) und das Bild mit dem Mädchen* und dem Teddybären in der Ecke (S. 21) bilden unnötige Stereotypen ab. Ansonsten aber: ansprechend bebildert.

Fazit: Nicht grottenschlecht, aber auch nicht wirklich gut gemacht. Für das empfohlene Alter sind die Geschichten als Ausgangspunkt zum Drüberreden geeignet, so wie es auch im Titel beschrieben ist. Eltern, die wenig Wissen zu sexuellem Missbrauch haben, werden allerdings bedauerlicherweise in Stereotypen (Fremdtäter, mit niemandem mitgehen, Tür nicht aufmachen …) bestätigt.

Christine Rudolf-Jilg (AMYNA)

 


 

In dem Buch sind 6 Kurzgeschichten, in denen Situationen beschrieben werden, in denen Kinder sexuellem Missbrauch ausgesetzt sind.

Themen der verschiedenen Geschichten:

  • ein Übergriff auf einen Jungen* im Schwimmbad,
  • zwei Mädchen*, die einem Exhibitionisten begegnen,
  • ein Mädchen*, das mit Meerschweinchen gelockt wird und mit einem vermeintlichen Bekannten mitgeht,
  • ein Junge*, der Zuhause nicht Bescheid gibt und mit dem Opa einfach verschwindet,
  • ein Mädchen*, das von seinem Cousin missbraucht wird
  • und ein Mädchen*, das einer Internetbekanntschaft ein Nacktbild von sich schickt.

Die Autorin arbeitet mit einer sehr einfachen, verständlichen und kindgerechten Sprache. Auch die Illustrationen in dem Buch sind kindgerecht und verdeutlichen die Situationen.

Was teilweise irritiert, sind jedoch die rotgeschrieben Textstellen, da diese kein Schema aufweisen, was sie verdeutlichen wollen. Ein sinnvoller Aspekt ist, dass in dem Buch auf die Bedeutung von schlechten Geheimnissen eingegangen wird, um den Kindern zu vermitteln, es gibt Dinge, die sollten sie ihren Vertrauenspersonen erzählen. Es wird jedoch nicht genauer definiert, wie man schlechte und gute Geheimnisse differenziert. Die einzelnen Geschichten befassen sich mit den unterschiedlichsten Fällen, wie einem Kind ein Missbrauch geschehen kann, jedoch wird dabei das Augenmerk zu sehr auf Fremdtäter gelegt und nur ein Beispiel von sechs befasst sich mit dem Missbrauch innerhalb einer Familie. Außerdem entsteht der Eindruck, dass die Täter alle männlich sind, da keine einzige Frau in den Beispielen auftaucht. Das führt dazu, dass sich die Klischees halten, es gibt unglaublich viele böse fremde Männer, die Kinder missbrauchen. Dies wird auf der im Buch empfohlenen Internetseite zwar wieder relativiert, doch ist die Frage, wie viele Eltern sich diesen Link ansehen, nach dem Lesen des Buches. In dem Infoblatt wird gut erklärt, wie man sein eigenes Kind schützen kann, jedoch wird nicht darauf eingegangen, wie sich Eltern im Falle eines Missbrauches ihres Kindes verhalten sollten. Das Buch sollte, wie auch empfohlen, unbedingt mit Eltern oder Fachkräften gelesen werden, da in jeder Geschichte Fragen auftauchen können, die den Kindern erklärt werden müssen. Das Buch kann dabei helfen, Kinder für gefährliche Situationen zu sensibilisieren. Es stellt dar, dass es nicht so schlimm ist, Erlebnisse dieser Art weiter zu erzählen und sich jemanden anzuvertrauen. Kinder können dabei lernen, das sie sich bei unangenehmen Ereignissen durchaus zur Wehr setzten dürfen. Die Eltern können ebenso von dem Bilderbuch profitieren, da ihnen verdeutlicht wird, wie wichtig es ist, ihr Kind ernst zunehmen und ihm zuzuhören.

Jedoch beleuchtet das Buch den Sachverhalt zu einseitig und bestätigt mehr die allgemeinen Ängste von Eltern und Kindern, als wirkliche Aufklärung zu betreiben.

 

Hannah Geyer (Praktikantin AMYNA)

 

Weitere Rezensionen

Nein! Ich will das nicht!

Geschichten zum Vorlesen und Drüberreden für die Prävention…

Überleben

Anne Elisabeth Dobbs Schwarzmann & Schwarzkopf ISBN…

Eltern von sexuell missbrauchten Kindern

Dirk Bange Hogrefe Verlag ISBN 978-3-801-72357-6 Unzählige…

300 kByte Angst

Boris Koch Gulliver von Beltz & Gelberg ISBN: 978-3-407-74096-0 Bender,…

Rotkäppchen muss weinen

Beate Teresa Hanika Fischer Verlag ISBN 978-3-596-85336-6 Malvina…

Bewegliche Ziele

Agnes Hammer Loewe Verlag GmbH ISBN: 978-3-7855-6475-2…

Ich sag Nein!

Arbeitsmaterialien gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen…

Werwölfe

Eine Geschichte und Bilder zum Thema sexueller Missbrauch von…

Im Chat war er noch so süß!

Annette Weber Verlag an der Ruhr ISBN: 10: 3-8346-0065-2 Annette…

Nicht allein

Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt Christine…

Toll, toller, tolerant

Grundschulkinder lernen Verständnis füreinander Karina und…

Konfliktstoff Kopftuch

Eine thematische Einführung in den Islam Jochen Bauer Verlag…

Kinder lernen den Islam kennen

Ruth Parmiter / Monika Price Verlag an der Ruhr 2002 ISBN…

Ich werde es sagen

Geschichte einer missbrauchten Kindheit Jensen, Kristian Ditlev Klett-Cotta…

Kurzer Rock

Christina Wahldén Fischer Taschenbuch Verlag ISBN 3-596-80477-9…

Überleben

Anne Elisabeth Dobbs

Schwarzmann & Schwarzkopf

ISBN 978-3-862-65066-8

 

Anne Elisabeth Dobbs berichtet in dem vorliegenden Buch nicht vom Missbrauch, den sie durch einen Nachbarn und später durch einen Onkel erleben musste. Sie berichtet von ihrem Lebensweg, als 6-Jährige, als der erste Missbrauch begann bis hin zu ihrem aktuellen Leben, das sie mit ihrem Freund weit weg vom Ort der Straftaten in München führt.

Wie sie, unterstützt von Freunden, mit 14 Jahren dann endlich dem Missbrauch ein Ende setzen und gegen die Täter Anzeige erstatten kann, wie ihre Familie mit dem Vorgefallen umgeht und welche Folgen die beiden Gewalttaten für ihre Psyche und ihren Körper haben, erzählt sie anhand der Fakten, aber auch in Bezug auf die bei ihr dadurch ausgelösten Gefühle. Auch den Weg, der sie der Anzeigeerstattung bei der Polizei über ihre Glaubwürdigkeitsbegutachtung bis hin zum Prozessende führt, beschreibt sie detailliert. Der Prozess gegen den Onkel wird eingestellt, der gegen den Nachbarn mit einem Schuldspruch und einer Haftstrafe beendet.

Immer wieder deutlich wird beim Lesen ihr Werben um Verständnis für ihr Verhalten und ihre Entscheidungen in Bezug auf ihre Ursprungsfamilie, die zumindest zum Teil offenkundig große emotionale Schwierigkeiten hat, den Missbrauch zu verarbeiten und eine tragfähige Beziehung zu ihr zu erhalten. Den Eltern und einem eventuellen erweiterten Hilfesystem möchte man das 2011 erschienene Buch von Dirk Bange „Eltern sexuell missbrauchter Kinder“ für das Verstehen der Dynamik empfehlen, so bedrückend erscheint die Hilflosigkeit der „Bilderbuchfamilie“.

Aus fachlicher Sicht erschrecken vor allem die immer wieder fehlenden fachlichen Kompetenzen – bei Lehrer*innen, Ärzt*innen, Polizist*innen, Psycholog*innen, Gutachter*innen, mit denen Dobbs zu tun hat. Kaum zu glauben, möchte man eigentlich ausrufen – wenn nicht vorliegende Untersuchungen, aber auch die Berichte, die die unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauch der Bundesregierung Frau Dr. Bergmann erhielt, in eine ähnliche Richtung weisen würden.

Es gibt viel zu tun! Qualifizierung für all diejenigen, die für Kinder Verantwortung tragen – Kindern, die sexuell missbraucht wurden, angemessen helfen zu können – fehlt nach wie vor. Dies deutlich zu machen, dazu kann dieses Buch vielleicht einen Teil beitragen.

 

Christine Rudolf-Jilg (AMYNA)

 

Weitere Rezensionen

Nein! Ich will das nicht!

Geschichten zum Vorlesen und Drüberreden für die Prävention…

Überleben

Anne Elisabeth Dobbs Schwarzmann & Schwarzkopf ISBN…

Eltern von sexuell missbrauchten Kindern

Dirk Bange Hogrefe Verlag ISBN 978-3-801-72357-6 Unzählige…

300 kByte Angst

Boris Koch Gulliver von Beltz & Gelberg ISBN: 978-3-407-74096-0 Bender,…

Rotkäppchen muss weinen

Beate Teresa Hanika Fischer Verlag ISBN 978-3-596-85336-6 Malvina…

Bewegliche Ziele

Agnes Hammer Loewe Verlag GmbH ISBN: 978-3-7855-6475-2…

Ich sag Nein!

Arbeitsmaterialien gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen…

Werwölfe

Eine Geschichte und Bilder zum Thema sexueller Missbrauch von…

Im Chat war er noch so süß!

Annette Weber Verlag an der Ruhr ISBN: 10: 3-8346-0065-2 Annette…

Nicht allein

Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt Christine…

Toll, toller, tolerant

Grundschulkinder lernen Verständnis füreinander Karina und…

Konfliktstoff Kopftuch

Eine thematische Einführung in den Islam Jochen Bauer Verlag…

Kinder lernen den Islam kennen

Ruth Parmiter / Monika Price Verlag an der Ruhr 2002 ISBN…

Ich werde es sagen

Geschichte einer missbrauchten Kindheit Jensen, Kristian Ditlev Klett-Cotta…

Kurzer Rock

Christina Wahldén Fischer Taschenbuch Verlag ISBN 3-596-80477-9…

Eltern von sexuell missbrauchten Kindern

Dirk Bange

Hogrefe Verlag

ISBN 978-3-801-72357-6

Unzählige neue Bücher sind in den vergangenen Jahren zum Thema „sexueller Missbrauch“ erschienen. Und doch blieb ein wichtiger Aspekt bislang ausgespart: Eltern sexuell missbrauchter Kinder standen nie im Fokus der Fachdiskussion und Fachliteratur zu „sexuellem Missbrauch“. Obwohl sie häufig ein wichtiger Schlüssel dafür sind, das Kindeswohl zu sichern beziehungsweise zu verbessern. Umso verdienstvoller ist es, dass Dirk Bange nun dieses gut verständliche und leicht lesbare Buch geschrieben hat, in dem er wichtige Forschungsergebnisse v.a. aus dem Ausland (Deutschland ist da noch eine „Forschungswüste“) vorstellt, aber auch mit Zitaten von Eltern sexuell missbrauchter Kinder verknüpft und mit Leben füllt.

Einige Kapitel stellen Grundlagenwissen ganz allgemein zusammen und dürften für viele erfahrene Fachkräfte nichts Neues bringen. So die Kapitel „Definition und Fakten“, „Täterstrategien“ und „Missbrauch mit dem Missbrauch“. Trotzdem lohnt sich das schnelle Lesen, einiges ist neu und vieles kann wieder aufgefrischt werden.

Zwei Schätze beinhaltet das Buch auf alle Fälle: Der eine ist das tiefe Verstehen über die Situation nichtmissbrauchender Eltern von sexuell missbrauchten Kindern, das beim Durcharbeiten des Buches ermöglicht wird und die eigene Arbeit bereichern kann. Deren Gefühle, Ängste und Sorgen stellt Dirk Bange im vorliegenden Buch sachlich und nüchtern zusammen und doch ist es ein klares Plädoyer, Mütter und Väter in ihrer jeweiligen individuellen Situation mit all ihren Belastungen wahrzunehmen, Schuldzuweisungen kritisch zu reflektieren und da, wo erforderlich, passende Hilfen anzubieten. Nicht zuletzt deshalb, (auch hier liegen Untersuchungsergebnisse vor), weil Eltern, die ihre Kinder bei der Aufarbeitung gut unterstützen können, nachweislich dazu beitragen, dass es den betroffenen Kinder besser geht. Der zweite Schatz ist das zusammengetragene Wissen über den Aufdeckungsprozess (Disclosure-Prozess) und darüber, welche Faktoren zu einem gelingenden Disclosure beitragen können bzw. was für eine Aufdeckung hinderlich ist. Lange habe ich nach solch einer Zusammenstellung gesucht. Für alle Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch Kinder- und Jugendarbeit, gehört dieses Kapitel eigentlich zum Grundwissen, da überall dort, wo Kinder und Jugendliche sich aufhalten, eine Aufdeckung stattfinden könnte (und sollte). Ist es doch erschreckend, dass sich Studien zufolge nur circa ein Drittel bis die Hälfte aller Betroffenen während der Kindheit jemandem anvertraut. Hier gibt es noch viel zu tun!

Sehr gut gefallen hat mir, dass dann, wenn es geboten scheint, das heißt bei unterschiedlichen Untersuchungsbefunden, Eltern und Kinder mit Migrationshintergrund differenziert erwähnt werden – ebenso Eltern und behinderte Kinder. Besonders herausgearbeitet wurde, hierauf hat Bange ein besonderes Augenmerk gelegt, der Blick auf nichtmissbrauchende Väter, ihre Befindlichkeit, vor allem aber auch ihr Potential als Bündnispartner zum Schutz und zur Sicherung des Kindeswohls.

An den Schluss des Buches hat Bange dann die Tipps für die Praxis gesetzt. Hier finden sich umfangreiche Hinweise sowohl für Fachkräfte, die für Eltern Beratung und Therapie anbieten als auch für Fachkräfte der Jugendämter, die die Eltern sexuell missbrauchter Kinder bei der Sicherung des Kindeswohls einbeziehen müssen. Fachkräfte, die im Bereich der Elternbildung tätig sind, finden umfangreiche und anregende Hinweise zur Präventionsarbeit mit Eltern, von Zielen und Inhalten bis hin zu erforderlichen Strukturen und No-Gos.

Fazit: Das neue Buch von Dr. Dirk Bange ist ein must-have für all die Fachkräfte, die sich in ihrer Arbeit mit sexuell missbrauchten Kindern und deren nicht missbrauchenden Elternteilen (weiter) qualifizieren wollen. Für die Prävention von sexueller Gewalt, aber auch für die Bereiche Wissenschaft und Forschung gibt es eine Fülle von Hinweisen und Anregungen, was verbessert werden kann. Unbedingt kaufen und lesen!

Christine Rudolph-Jilg (AMYNA)

 

Weitere Rezensionen

Nein! Ich will das nicht!

Geschichten zum Vorlesen und Drüberreden für die Prävention…

Überleben

Anne Elisabeth Dobbs Schwarzmann & Schwarzkopf ISBN…

Eltern von sexuell missbrauchten Kindern

Dirk Bange Hogrefe Verlag ISBN 978-3-801-72357-6 Unzählige…

300 kByte Angst

Boris Koch Gulliver von Beltz & Gelberg ISBN: 978-3-407-74096-0 Bender,…

Rotkäppchen muss weinen

Beate Teresa Hanika Fischer Verlag ISBN 978-3-596-85336-6 Malvina…

Bewegliche Ziele

Agnes Hammer Loewe Verlag GmbH ISBN: 978-3-7855-6475-2…

Ich sag Nein!

Arbeitsmaterialien gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen…

Werwölfe

Eine Geschichte und Bilder zum Thema sexueller Missbrauch von…

Im Chat war er noch so süß!

Annette Weber Verlag an der Ruhr ISBN: 10: 3-8346-0065-2 Annette…

Nicht allein

Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt Christine…

Toll, toller, tolerant

Grundschulkinder lernen Verständnis füreinander Karina und…

Konfliktstoff Kopftuch

Eine thematische Einführung in den Islam Jochen Bauer Verlag…

Kinder lernen den Islam kennen

Ruth Parmiter / Monika Price Verlag an der Ruhr 2002 ISBN…

Ich werde es sagen

Geschichte einer missbrauchten Kindheit Jensen, Kristian Ditlev Klett-Cotta…

Kurzer Rock

Christina Wahldén Fischer Taschenbuch Verlag ISBN 3-596-80477-9…

300 kByte Angst

Boris Koch

Gulliver von Beltz & Gelberg

ISBN: 978-3-407-74096-0

Bender, der auf einem Konzert der Doe Family seine besten Freunde bei deren Auftritt filmt, findet im Anschluss daran ein merkwürdiges Video auf seinem Handy. Dieses zeigt ein junges Mädchen, welches von zwei maskierten Männern misshandelt wird. Bender und dessen Freund Mark, Bassist der besagten Band, beginnen nun Recherchen bezüglich dieses Videos anzustellen, um herauszufinden, um welches Mädchen es sich handelt und um die Täter schnellst möglich ausfindig zu machen. Die Suche scheint jedoch nicht ganz so einfach zu sein wie anfangs gedacht, und alle Beteiligten tauchen tiefer in die Problematik sogenannter Slapping-Filme ein. Einerseits Mark, der einen Artikel über diese Filme schreiben möchte, aber auch sein kleiner Bruder Sandro, der nach und nach immer tiefer in die Szene hineinrutscht und am Schluss selbst vom Helfer bzw. Täter in die Rolle des Opfers gedrängt wird

 

Boris Koch zeigt in seinem Buch ein dunkles Kapitel in der Welt der neuen Medien auf. Authentisch schildert er den Umgang der Jugendlichen mit Handys und zeigt, dass es heutzutage schon fast Pflicht ist, Gewaltvideos, oder sog. Slapping-Filme auf seinem Handy zu haben. Durch seinen lockeren Schreibstil und durch seine sehr echt wirkenden Figuren, fällt es den LeserInnen sehr leicht, sich genau in dieses Milieu hineinzuversetzen, mit den Hauptdarstellern mitzufiebern, aber auch gleichzeitig etwas über die Probleme, die sich mit solchen Videos verbinden, vor allem (sexualisierte) Gewalt, zu erfahren.

Dass es sich um ein Jugendbuch handelt, wird schnell ersichtlich, vor allem durch seine klare, aber auch einfache, im Jungendstil gehaltene Sprache, aber auch, weil generell mit dem Thema sexueller Missbrauch sehr bedeckt umgegangen wird. Was ich persönlich sehr schade finde ist, dass die Jugendlichen untereinander versuchen, mit ihren Problemen fertig zu werden, sich also keine kompetente Hilfe und Unterstützung suchen. Hier wäre es möglicherweise vorteilhaft gewesen, auch auf gewisse Beratungsstellen hinzuweisen, damit Jugendliche, die dieses Buch lesen, im Ernstfall wissen, dass sie sich solchen Institutionen anvertrauen können und gar nicht erst auf die Idee kommen, selbst aktiv zu werden und sich damit in Gefahr zu begeben.

Ebenfalls schade erscheint mir, dass das Buch an machen Stellen leider sehr oberflächlich geschrieben ist, gerade dann vor allem, wenn es um die Gefühle der einzelnen Personen geht. Für LeserInnen, die vielleicht etwas sensibler sind, scheint dies genau der richtige Ansatz zu sein, denn so bleibt es ihnen erspart, sich zu viele Gedanken bezüglich der Personen zu machen und nicht ganz so betroffen zu sein. Andererseits sollte solch ein Buch aber eben gerade diese Wirkungen hervorrufen, um den LeserInnen unmissverständlich klar zu machen, das sexueller Missbrauch kein Tabuthema in unsere Gesellschaft sein darf und dass man dringend dagegen vorgehen muss.

Generell würde ich das Buch Jugendlichen ab einem Alter von ca. 15/16 Jahren empfehlen. Als Schullektüre könnte dieses Werk ebenfalls sehr dazu beitragen, sich mit dem Thema Gewalt und Gruppenzwang auseinanderzusetzen und die möglichen Hintergründe und Motive in Erfahrung zu bringen.

(Daniela Röhricht, 19 Jahre, Praktikantin)


Bender (16), erhält auf mysteriöse Art und Weise auf sein Handy über Bluetooth einen Videoclip zugespielt. Er zeigt die Vergewaltigung eines jungen Mädchens durch zwei Männer, die Gorillamasken tragen. Ist der Clip gefaked oder echt? Gemeinsam mit seinem Freund Mark (15) und dessen Bruder Sandro (13) beginnt er dieser Frage nachzugehen. Sabine ist das Mädchen, das der Clip zeigt, soviel stellt sich bald heraus. Sie leugnet eine „reale“ Vergewaltigung, zeigt allerdings „seltsame“ Verhaltensweisen. Mark recherchiert für einen Internetartikel theoretisch zu Hintergründen von „Happy Slapping“, während Sandro ohne Wissen der anderen über die Schule und Freunde ganz real in den Sog der Videoclips gerät und schließlich selbst welche produziert. Bender versucht, die Reaktion des Mädchens und die Hintergründe der Gewalttaten zu verstehen. Die Situation eskaliert, als Sandro selbst Opfer eines „Happy Slapping“-Angriffs der „Gorillas“ wird. Können die Freunde, unterstützt von Sabine, Sandro retten?

 

Die spannende Geschichte, die Boris Koch erzählt, kommt ohne pädagogischen Zeigefinger daher. Das Buch will nicht in erster Linie Empathie für die Gefühle der Opfer von Happy Slapping wecken, zentral ist die Suche nach den Auslösern und Ursachen für solche Gewalttaten. Sandro und Mark, die beiden Brüder, suchen dabei auf zwei verschiedene Arten nach einer Antwort auf eine Frage, die unsere Gesellschaft bewegt. Sandros realer Weg in die Gewalt zeigt dabei die höchstmögliche (gefährliche) Annäherung an ein Problem, das eine hohe gesellschaftliche Relevanz hat. Die Begrenztheit von Hilfe und Unterstützung durch Erwachsene und die Bedeutung von Peer-Groups, die ganz wesentlich zu Meinungs- und Wertebildung in diesem Alter beitragen, wird dabei sehr deutlich.

Insgesamt ein empfehlenswertes Buch, das nachdenklich macht. Seine Stärke dürfte vor allem darin liegen, Erwachsenen bestimmte Problem und Lebenslagen von Jugendlichen nahezubringen und die Grenzen der eignen Hilfsangebote kritisch zu hinterfragen. Wann und wie können Erwachsene auf Wertehaltungen, die in Peer-Groups das Leben und das Verhalten Jugendlicher nachhaltig beeinflussen, einwirken und diese verändern? Ich habe durch dieses Buch noch keine Antworten gefunden, mir die Frage aber wiederholt gestellt. Ein positiver Anfang für einen nötigen Denkprozess!

Aber auch Jugendliche (ab ca. 13-14 Jahren), ausnahmsweise auch mal Jungen, die bei diesem Thema sonst fast ausschließlich in der Täterrolle skizziert werden, dürften dieses Buch gerne lesen. Es ist flüssig und verständlich geschrieben; die (vor allem männlichen) Protagonisten des Buches sind liebenswert und kämpfen mit ganz individuellen Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Bender ist um Beispiel laufend mit der Frage konfrontiert, wie er seine Beziehung zu seiner Freundin Manu trotz der alltäglichen Schwierigkeiten dauerhaft positiv gestalten kann. Sandro sucht, oft zerrissen zwischen Idolen und eigenen Wertvorstellungen, vor allem nach Anerkennung und Freundschaft und Mark bewältigt viele Probleme und Entscheidungen zunehmend alleine ohne die Hilfe von Familie und Freunden.

Dass Sabine und die (tatsächlich reale) Vergewaltigung während der gesamten Geschichte etwas „blass“ bleiben, ist einerseits bedauerlich, andererseits jedoch sicherlich nötig, damit sich die Geschichte nicht zu sehr aufsplittert. Die Story wird besonders dann stark und farbig, wenn es um die Frage geht, ob und wenn ja, warum jemand zum Täter wird. Mögliche Auswege aus der Gewaltspirale werden so für Jugendliche nicht einfach, aber immerhin zur Diskussion gestellt. Ein Buch, das sich sicherlich auch für die Klassenlektüre eignet, aber dialogbereite LehrerInnen erfordert, die sich mit den Jungendlichen auf die Suche nach gemeinsamen Werten begeben wollen.

Christine Rudolf-Jilg (AMYNA)

 

Weitere Rezensionen

Nein! Ich will das nicht!

Geschichten zum Vorlesen und Drüberreden für die Prävention…

Überleben

Anne Elisabeth Dobbs Schwarzmann & Schwarzkopf ISBN…

Eltern von sexuell missbrauchten Kindern

Dirk Bange Hogrefe Verlag ISBN 978-3-801-72357-6 Unzählige…

300 kByte Angst

Boris Koch Gulliver von Beltz & Gelberg ISBN: 978-3-407-74096-0 Bender,…

Rotkäppchen muss weinen

Beate Teresa Hanika Fischer Verlag ISBN 978-3-596-85336-6 Malvina…

Bewegliche Ziele

Agnes Hammer Loewe Verlag GmbH ISBN: 978-3-7855-6475-2…

Ich sag Nein!

Arbeitsmaterialien gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen…

Werwölfe

Eine Geschichte und Bilder zum Thema sexueller Missbrauch von…

Im Chat war er noch so süß!

Annette Weber Verlag an der Ruhr ISBN: 10: 3-8346-0065-2 Annette…

Nicht allein

Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt Christine…

Toll, toller, tolerant

Grundschulkinder lernen Verständnis füreinander Karina und…

Konfliktstoff Kopftuch

Eine thematische Einführung in den Islam Jochen Bauer Verlag…

Kinder lernen den Islam kennen

Ruth Parmiter / Monika Price Verlag an der Ruhr 2002 ISBN…

Ich werde es sagen

Geschichte einer missbrauchten Kindheit Jensen, Kristian Ditlev Klett-Cotta…

Kurzer Rock

Christina Wahldén Fischer Taschenbuch Verlag ISBN 3-596-80477-9…

Rotkäppchen muss weinen

Beate Teresa Hanika

Fischer Verlag

ISBN 978-3-596-85336-6

Malvina ist 13 Jahre alt. In ihrer Familie fühlt sie sich oft allein gelassen: ihre Mutter liegt den ganzen Tag mit Migräne im Bett und kümmert sich um niemanden, außer um sich selbst. Ihr Vater ist ein verschlossener, autoritärer Mann, blind für die Bedürfnisse seiner Kinder. Ihre älteren Geschwister sehen in Malvina nur ein kleines schwieriges Mädchen, das hauptsächlich Ärger macht.

So bemerkt niemand, dass die täglichen Besuche bei ihrem Großvater einen Schatten auf Malvinas Leben werfen.

Denn seitdem ihre Großmutter im Vorjahr an Krebs gestorben ist, versucht der Großvater immer wieder Malvina unter dem Vorwand krank und einsam zu sein in seine Wohnung zu locken. Von ihrer Familie genötigt und mit Vorwürfen konfrontiert, wird das Mädchen gezwungen, sich um ihren Großvater zu kümmern. Dass der alte Mann jedoch immer wieder Malvinas Grenzen verletzt und sie zu sexuellen Handlungen nötigt, scheint niemand zu bemerken.

Ein Lichtblick in Malvinas Leben ist ihre neue Freundschaft zu dem Jungen Klatsche, der sich für sie interessiert und versucht, sie für sich zu gewinnen, auch wenn sich Malvina oft abweisend und verschlossen verhält. Darüber hinaus findet sie Zuflucht in Erinnerungen an den letzten Sommer, den sie mit ihrer Freundin Lizzy unbeschwert verbracht hat. Doch nicht mal ihre Freunde ahnen, was Malvina Tag für Tag in der Wohnung ihres Großvaters erwartet. Nur die polnische Nachbarin des Großvaters spürt, dass etwas nicht in Ordnung ist und versucht Malvina zum Reden zu bewegen.

Der jungen Autorin Beate Teresa Hanika ist mit ihrem Erstlingswerk ein kleines literarisches Meisterstück gelungen. Einfühlsam, aber ohne große Worte, beschreibt Hanika das Leben Malvinas, das sich zwischen Erinnerungen an den letzten Sommer und einer Gegenwart bewegt, die meistens grausam, manchmal aber doch auch schön ist. Während von dem Großvater eine Bedrohung ausgeht, der sich auch die LeserInnen nicht entziehen können, gelingt es der Autorin immer wieder, die angespannte Atmosphäre durch die kleinen Anekdoten aus dem vorherigen Sommer und die leise Liebesgeschichte zwischen Malvina und Klatsche aufzulockern. Diese „Verschnaufpausen“ sind bitter nötig, da man Malvinas Angst und Unsicherheit mit einer unbeschreiblichen Intensität miterlebt, die einen sehr mitnehmen kann. Während des Lesens durchläuft man einen Gefühlswechsel von Mitleid mit dem Mädchen, über Wut bzw. Fassungslosigkeit über die Ignoranz und das Desinteresse von Malvinas Familie, bis hin zur Hoffnung, dass Malvina zum Schluss Unterstützung und Hilfe bzw. die Kraft findet, sich aus ihrer unglücklichen Lage zu befreien.

Beate Teresa Hanika beschreibt manchmal detailliert und plastisch, manchmal thematisiert sie nur zwischen den Zeilen. Sie beweist ein ungeheures Gespür dafür, wann es nötig ist genau zu werden und wann der/die LeserIn Abstand braucht. Doch gerade die Dinge, die zwar unausgesprochen bleiben, aber dennoch subtil angedeutet werden oder sich hinter den Worten verstecken, lassen ahnen, wie es in Wirklichkeit aussieht. Dadurch werden Gefühle geweckt, die durch Worte allein niemals erreicht werden könnten. Der klare, poetische Schreibstil macht das Buch auch sprachlich gesehen zu etwas Besonderem.

„Rotkäppchen muss weinen“ ist eines der besten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Obwohl das Buch zum Schluss Hoffnung macht und Malvina endlich versuchen kann, ein normales Leben zu führen, hatte ich auch noch einige Zeit nach dem Lesen ein seltsames Gefühl im Bauch. Zu tief hatte ich mich in Malvinas Gedanken und Leben eingefühlt, als dass ich sie sofort wieder hätte gehen lassen können. Und genau darauf muss man bei der Lektüre dieser Geschichte gefasst sein: sie lässt einen nicht mehr los, während des Lesens und auch danach nicht. Das ist der wichtigste Grund, weshalb ich denke, dass „Rotkäppchen muss weinen“ als Schullektüre eher ungeeignet ist, denn gerade wegen der Intensität des Buches sollte man bei diesem Thema auf keinen Fall gezwungen werden es zu lesen. Besonders Jugendliche, die selbst Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht haben, könnten die Lektüre als qualvoll empfinden. Empfehlen würde ich das Buch zur freiwilligen Lektüre ab ca. 16 Jahren, aber nicht nur für Jugendliche, auch für Erwachsene kann es eine Bereicherung sein.

Katrin Schultze-Naumburg

 

Weitere Rezensionen

Nein! Ich will das nicht!

Geschichten zum Vorlesen und Drüberreden für die Prävention…

Überleben

Anne Elisabeth Dobbs Schwarzmann & Schwarzkopf ISBN…

Eltern von sexuell missbrauchten Kindern

Dirk Bange Hogrefe Verlag ISBN 978-3-801-72357-6 Unzählige…

300 kByte Angst

Boris Koch Gulliver von Beltz & Gelberg ISBN: 978-3-407-74096-0 Bender,…

Rotkäppchen muss weinen

Beate Teresa Hanika Fischer Verlag ISBN 978-3-596-85336-6 Malvina…

Bewegliche Ziele

Agnes Hammer Loewe Verlag GmbH ISBN: 978-3-7855-6475-2…

Ich sag Nein!

Arbeitsmaterialien gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen…

Werwölfe

Eine Geschichte und Bilder zum Thema sexueller Missbrauch von…

Im Chat war er noch so süß!

Annette Weber Verlag an der Ruhr ISBN: 10: 3-8346-0065-2 Annette…

Nicht allein

Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt Christine…

Toll, toller, tolerant

Grundschulkinder lernen Verständnis füreinander Karina und…

Konfliktstoff Kopftuch

Eine thematische Einführung in den Islam Jochen Bauer Verlag…

Kinder lernen den Islam kennen

Ruth Parmiter / Monika Price Verlag an der Ruhr 2002 ISBN…

Ich werde es sagen

Geschichte einer missbrauchten Kindheit Jensen, Kristian Ditlev Klett-Cotta…

Kurzer Rock

Christina Wahldén Fischer Taschenbuch Verlag ISBN 3-596-80477-9…

Bewegliche Ziele

Agnes Hammer

Loewe Verlag GmbH

ISBN: 978-3-7855-6475-2

Agnes Hammer beschreibt in ihrem Buch „Bewegliche Ziele“ das Leben von fünf Teenagern in einer deutschen Kleinstadt. Jeder von ihnen hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen.

Momo möchte unbedingt im Landeskader schwimmen und trainiert zielstrebig für ihr Ziel. Jenny war mal Momos beste Freundin, steht aber in letzter Zeit immer häufiger zwischen allen Stühlen. Zuhause fühlt sie sich von ihrem Vater bevormundet und schafft es nicht, ihre eigenen Lebenswünsche zu verwirklichen. Auch Sarah hat Probleme daheim, ihre Eltern wollen sich scheiden lassen. Sie flüchtet sich in ihre Liebe zu Ticker, um dem unerfreulichen Alltag zu entgehen. Ticker ist zwar bis über beide Ohren in Sarah verliebt, steht jedoch unter dem Einfluss seines Mitbewohners Ette, der ihn immer wieder zu kriminellen Handlungen anstiftet. Für Ette ist nichts wirklich von Bedeutung – er scheint zu allem bereit zu sein, um auf seine Kosten zu kommen.

Die Wege der Teenager kreuzen sich immer wieder zufällig auf Partys und Sportveranstaltungen, wo sie sich in eine Welt flüchten, die sie die Realität für kurze Zeit vergessen lässt. Eines Abends geht Ette jedoch zu weit und vergewaltigt Momo. Von nun an versuchen Momo, Jenny, Sarah, Ticker und Ette jeder für sich einen Weg finden, um mit dem Geschehenen weiterleben zu können…

Die Autorin beschreibt die Geschichte abwechselnd aus der Sicht aller fünf Teenager. Auf diese Weise bekommt man zwar eine objektive Sicht der Dinge und kann die Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln verfolgen, es fällt jedoch auch schwer, sich in die einzelnen Personen einzufühlen. Da die Erzählabschnitte selten länger als eine Seite sind, wirkt die Geschichte stellenweise zerrissen und unzusammenhängend. Was am Anfang noch recht verwirrend ist, sorgt streckenweise zwar für Spannung, hindert den/die LeserIn aber auch daran eine innigere Beziehung zu den Figuren aufzubauen. Besonders Momo, die Opfer der Vergewaltigungstat wurde, scheint in dem Buch zu kurz zu kommen. Die Autorin verheddert sich häufig in den zahlreichen Strängen der Nebenhandlungen und verliert dabei die eigentliche Hauptfigur und ihre Geschichte völlig aus den Augen. So hat zum Beispiel die Liebesgeschichte zwischen Sarah und Ticker für die Handlung letztendlich keinerlei Bedeutung und lenkt nur vom Thema ab.

Doch selbst wenn Agnes Hammer sich einmal näher mit Momo befasst, scheint sie sich nicht auf den Sachverhalt zu konzentrieren. Der Verarbeitungsprozess, den das Mädchen nach der Vergewaltigung durchläuft, erfolgt rasend schnell und teilweise sind die Fortschritte nur schwer nachvollziehbar. Über ihr Gefühlsleben oder die Vergewaltigung erfährt man selten etwas, meistens handeln Momos Erzählungen vom Schwimmen oder ihrem schwer kranken Großvater. Zum Ende der Geschichte scheint sie mit sich und der Welt wieder einigermaßen im Reinen zu sein, dem/der LeserIn bleibt jedoch schleierhaft, wann und wodurch sie das geschafft haben soll.

Auch wenn der Grundgedanke, die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu durchleuchten, interessant ist, so wären zwei oder höchstens drei Personen völlig ausreichend gewesen. Hätte sich die Autorin auf Momo, Ette und vielleicht noch Jenny beschränkt und mit diesen drei Figuren intensiv auseinander gesetzt, wäre dieses Buch sicher eine empfehlenswerte Lektüre geworden. So kann ich leider nur sagen, dass Agnes Hammer zwar eine abwechslungsreiche, leicht zu lesende Geschichte geschrieben hat, dem eigentlichen Thema allerdings nicht gerecht werden konnte.

Katrin Schultze-Naumburg

 

Weitere Rezensionen

Nein! Ich will das nicht!

Geschichten zum Vorlesen und Drüberreden für die Prävention…

Überleben

Anne Elisabeth Dobbs Schwarzmann & Schwarzkopf ISBN…

Eltern von sexuell missbrauchten Kindern

Dirk Bange Hogrefe Verlag ISBN 978-3-801-72357-6 Unzählige…

300 kByte Angst

Boris Koch Gulliver von Beltz & Gelberg ISBN: 978-3-407-74096-0 Bender,…

Rotkäppchen muss weinen

Beate Teresa Hanika Fischer Verlag ISBN 978-3-596-85336-6 Malvina…

Bewegliche Ziele

Agnes Hammer Loewe Verlag GmbH ISBN: 978-3-7855-6475-2…

Ich sag Nein!

Arbeitsmaterialien gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen…

Werwölfe

Eine Geschichte und Bilder zum Thema sexueller Missbrauch von…

Im Chat war er noch so süß!

Annette Weber Verlag an der Ruhr ISBN: 10: 3-8346-0065-2 Annette…

Nicht allein

Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt Christine…

Toll, toller, tolerant

Grundschulkinder lernen Verständnis füreinander Karina und…

Konfliktstoff Kopftuch

Eine thematische Einführung in den Islam Jochen Bauer Verlag…

Kinder lernen den Islam kennen

Ruth Parmiter / Monika Price Verlag an der Ruhr 2002 ISBN…

Ich werde es sagen

Geschichte einer missbrauchten Kindheit Jensen, Kristian Ditlev Klett-Cotta…

Kurzer Rock

Christina Wahldén Fischer Taschenbuch Verlag ISBN 3-596-80477-9…

Ich sag Nein!

Arbeitsmaterialien gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen

Gisela Braun – Martina Keller

Verlag an der Ruhr

ISBN: 978-3-8346-0431-6

Der Schutz von Mädchen und Jungen vor sexueller Gewalt erfordert ein hohes Maß an Sensibilität und Wissen. Gut gemeinte Ratschläge wie “Geh nicht im Dunkeln weg. Geh nicht in den Wald. Zieh dich anständig an.”, sind in diesem Zusammenhang eher hinderlich und können zum Teil zu Verängstigung, Vermeidungsverhalten oder der Einschränkung der Selbstständigkeit führen. …

Des Weiteren wird dabei möglicherweise unterschätzt, dass der Täter oder die Täterin meist aus dem vertrauten Umfeld des Kindes kommt.

Die Autorinnen Gisela Braun und Martina Keller greifen genau diese Themen in ihrem Buch “Ich sag Nein!” auf und bieten Erzieher/innen und Pädagogen/innen sensible und bis ins Detail durchdachte Arbeitsmaterialien, die dem Grundsatz folgen: Starke Kinder sind weniger gefährdet.

In ihrem Buch geben die Autorinnen ihren Kolleg/innen, aber auch Eltern, wissenswerte und wichtige Informationen zum Thema “sexueller Missbrauch” und erklären dabei differenziert und verständlich was sexueller Missbrauch ist, welche unterschiedlichen Formen es gibt und wie Täter oder Täterinnen vorgehen können.Des Weiteren erhält die Leserin/der Leser Hinweise über mögliche Anhaltspunkte, die auf einen sexuellen Missbrauch hindeuten können. Veränderte Verhaltensweisen wie Schlafstörungen, Schulleistungsstörungen oder Isolation, Depressionen und das ständige Gefühl von Angst und Panik können, müssen jedoch nicht Anzeichen für sexuellen Missbrauch sein, sondern können selbstverständlich auch andere Ursachen haben.Die Autorinnen stellen auch dies klar.

Die aktualisierte Auflage des Buches widmet sich, im Gegensatz zu älteren Auflagen, gezielt auch dem Thema “Sexueller Missbrauch durch das Internet”, wie z.B. sexuelle Übergriffe im Chat. Hierbei werden ganz konkret die Gefahren für Kinder im Netz herausgearbeitet und mit sinnvollen und detaillierten Tipps für Eltern und Pädagogen/innen in Verbindung gebracht.Die Autorinnen erläutern in diesem Zusammenhang wichtige Sicherheitsregeln für Mädchen und Jungen im Umgang mit dem Internet klar und verständlich.

Diese Neuauflage wurde um eine konkrete Unterrichtseinheit für die Klassen 3 und 4 ergänzt, welche teilweise an Vorschläge aus den bereits enthaltenen Praxisanregungen anschließt, aber auch andere neue Materialen oder Themen aufgreift.

Kein Kind kann sich alleine vor Missbrauch schützen, auch nach der Arbeit mit den Materialien der Arbeitsmappe vermutlich nicht. Der Einsatz von “Ich sag Nein!” kann jedoch in jedem Fall dazu beitragen, das Selbstbewusstsein, die Autonomie und Abgrenzung der Mädchen und Jungen zu fördern und zu stärken. Mit spielerischen Methoden wird das Problembewusstsein der Kinder geschärft und sie erfahren, dass sie stark sind, sich wehren dürfen und ihrem Gefühl vertrauen können. Durch die sensiblen und bis ins Detail durchdachten Informationen und Arbeitsmaterialen ist dieses Buch als Hilfe und Unterstützung für Pädagogen/innen als auch für Eltern bestens geeignet.
Bianca Röhricht (Praktikantin bei AMYNA, 23 Jahre)
Christine Rudolf-Jilg (AMYNA, Praxisanleitung, 47 Jahre)

 

Weitere Rezensionen

Nein! Ich will das nicht!

Geschichten zum Vorlesen und Drüberreden für die Prävention…

Überleben

Anne Elisabeth Dobbs Schwarzmann & Schwarzkopf ISBN…

Eltern von sexuell missbrauchten Kindern

Dirk Bange Hogrefe Verlag ISBN 978-3-801-72357-6 Unzählige…

300 kByte Angst

Boris Koch Gulliver von Beltz & Gelberg ISBN: 978-3-407-74096-0 Bender,…

Rotkäppchen muss weinen

Beate Teresa Hanika Fischer Verlag ISBN 978-3-596-85336-6 Malvina…

Bewegliche Ziele

Agnes Hammer Loewe Verlag GmbH ISBN: 978-3-7855-6475-2…

Ich sag Nein!

Arbeitsmaterialien gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen…

Werwölfe

Eine Geschichte und Bilder zum Thema sexueller Missbrauch von…

Im Chat war er noch so süß!

Annette Weber Verlag an der Ruhr ISBN: 10: 3-8346-0065-2 Annette…

Nicht allein

Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt Christine…

Toll, toller, tolerant

Grundschulkinder lernen Verständnis füreinander Karina und…

Konfliktstoff Kopftuch

Eine thematische Einführung in den Islam Jochen Bauer Verlag…

Kinder lernen den Islam kennen

Ruth Parmiter / Monika Price Verlag an der Ruhr 2002 ISBN…

Ich werde es sagen

Geschichte einer missbrauchten Kindheit Jensen, Kristian Ditlev Klett-Cotta…

Kurzer Rock

Christina Wahldén Fischer Taschenbuch Verlag ISBN 3-596-80477-9…

Werwölfe

Eine Geschichte und Bilder zum Thema sexueller Missbrauch von Kindern

Ursula Rickli – Leonie Strahm

Editions Zürich GmbH

ISBN: 3-908730-96-1

Ziel des Buches ist die Unterstützung von Kindern, die sexuell missbraucht wurden. Die Geschichte und die Bilder sollen ihnen bei der Auseinandersetzung mit dem Erlebten helfen.

Ebenso richtet es sich an Erwachsene, die als Kind sexuellen Missbrauch erlebt haben.

Ursula Rickli schreibt in ihrem Buch über Werwölfe, die es nicht nur in Schauermärchen gibt, sondern in jedem Menschen stecken können, auch in Verwandten, Nachbarn oder Freunden.Sogar die eigenen Eltern können sich in einen so genannten “Werwolf-Menschen” verwandeln und dies nicht nur bei Vollmond und in der Dunkelheit, sondern durchaus auch tagsüber. Werwölfe sind grausam und machen auch vor Kindern nicht Halt. Sie gleichen Ungeheuern, die ohne Rücksicht auf Verluste über eine/n herfallen, um ihr Verlangen zu stillen.

Die Art und Weise, in welcher Ursula Rickli über das Thema “sexuellen Missbrauch von Kindern” schreibt, ist für Kinder und selbst auch für Erwachsene harte Kost. Für Kinder ist dieses Buch definitiv ungeeignet: sowohl der Schreibstil wie auch die Bilder können Kindern, besonders in jüngerem Alter, geradezu Angst einjagen und lassen selbst Erwachsene erschauern. Die Darstellung der Thematik erscheint mir zu überzogen. Ebenso fehlt es meines Erachtens gänzlich an der erforderlichen sensiblen Herangehensweise, die speziell für Betroffene besonders wichtig ist.
Als Unterstützung und Hilfestellung für Kinder sowie Erwachsene dient es meines Erachtens nicht.
Bianca Röhricht (Praktikantin bei AMYNA, 23)

 

Weitere Rezensionen

Nein! Ich will das nicht!

Geschichten zum Vorlesen und Drüberreden für die Prävention…

Überleben

Anne Elisabeth Dobbs Schwarzmann & Schwarzkopf ISBN…

Eltern von sexuell missbrauchten Kindern

Dirk Bange Hogrefe Verlag ISBN 978-3-801-72357-6 Unzählige…

300 kByte Angst

Boris Koch Gulliver von Beltz & Gelberg ISBN: 978-3-407-74096-0 Bender,…

Rotkäppchen muss weinen

Beate Teresa Hanika Fischer Verlag ISBN 978-3-596-85336-6 Malvina…

Bewegliche Ziele

Agnes Hammer Loewe Verlag GmbH ISBN: 978-3-7855-6475-2…

Ich sag Nein!

Arbeitsmaterialien gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen…

Werwölfe

Eine Geschichte und Bilder zum Thema sexueller Missbrauch von…

Im Chat war er noch so süß!

Annette Weber Verlag an der Ruhr ISBN: 10: 3-8346-0065-2 Annette…

Nicht allein

Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt Christine…

Toll, toller, tolerant

Grundschulkinder lernen Verständnis füreinander Karina und…

Konfliktstoff Kopftuch

Eine thematische Einführung in den Islam Jochen Bauer Verlag…

Kinder lernen den Islam kennen

Ruth Parmiter / Monika Price Verlag an der Ruhr 2002 ISBN…

Ich werde es sagen

Geschichte einer missbrauchten Kindheit Jensen, Kristian Ditlev Klett-Cotta…

Kurzer Rock

Christina Wahldén Fischer Taschenbuch Verlag ISBN 3-596-80477-9…

Im Chat war er noch so süß!

Annette Weber

Verlag an der Ruhr

ISBN: 10: 3-8346-0065-2

Annette Weber beschreibt in ihrem Buch sehr einfühlsam aus der Sicht von Sarah, wie einsam manche Mädchen in der Pubertät sind. Alle Freundinnen von Sarah haben einen festen Freund gefunden, nur sie nicht. Es beginnen die Sommerferien und ihre Eltern verreisen. Sarah fühlt sich allein. Bis sie auf die Idee kommt, im Chatroom nach Bekanntschaften zu suchen. Aber unbemerkt beginnt hier ein gefährliches Spiel.

Das Jugendbuch bietet viele Hinweise und Tipps, welche Gefahren es im Chat gibt und worauf Jugendliche achten sollten.

In der Sprache der Jugendlichen geschrieben, kann man sich in Sarahs Rolle gut einfühlen und teilweise selbst wiederfinden. Dennoch bleibt Gesprächsbedarf, um mit dem jugendlichen Leser das Ende aufzuarbeiten und mögliche Verhaltensweisen zu besprechen.

Für Erwachsene wird in diesem Buch deutlich, wie Täter systematisch im Chat nach Jugendlichen suchen, ihr Vertrauen gewinnen und sich Stück für Stück zu ihrem Ziel arbeiten. Auf der anderen Seite verdeutlicht Frau Weber das Gefühlschaos von Sarah. Man kann gut nachvollziehen, welche Zweifel sich in ihr auftun und wie diese gekonnt vom Täter verwischt werden, bis sie eine leichte, willenlose „Beute“ ist. Es sind viele schmeichelnde Tricks von Tätern zu finden, um sich den Jugendlichen nähern zu können. Anhand dieses Buches können Erwachsene Präventionsarbeit leisten, um die Kinder und Jugendlichen auf die Gefahren hinzuweisen, vorzubereiten und mögliche Reaktionsmuster zu erarbeiten.

Sinja Bohnert (Praktikantin bei AMYNA, 23 Jahre)


Das Buch ist zum Teil sehr beängstigend. Ich finde nicht, dass es für jüngere Leserinnen zum alleine lesen geeignet ist. Es sollte während des Unterrichts gelesen werden.

Der Schluss ist sehr unbefriedigend, weil sie außer ihrem Freund Alex niemandem von der Gefahr, in der sie geschwebt hat, erzählt. So, wie das Buch geschrieben ist, hätte es durchaus auch anders (schlechter) ausgehen können. Eine Anzeige bei der Polizei wird ganz schnell abgetan und auch den eigenen Eltern mag sie nichts erzählen, weil sie Angst hat, dass sie ihr Vorwürfe machen.

Die Autorin schreibt in einer „Jugendsprache“, die für mich nicht wirklich unsere Sprache ist. Ich finde das Buch eher schlecht.

Schülerin, 15 Jahre


Das Buch von Annette Weber wird ergänzt durch eine Literaturkartei mit gleichem Titel aus der Reihe K.L.A.R. . Beides soll im Unterricht von LehrerInnen eingesetzt werden.

Die Materialien stellen bei einem sinnvollen Einsatz in der Schule hohe Anforderungen an die Kompetenz der LehrerInnen, was die eigenen Computerkenntnisse anbelangt ebenso, wie im Hinblick auf die Kompetenz präventiv mit Mädchen und Jungen zu arbeiten. Nur dann nämlich machen Teile, der z.T. nicht selbst erklärenden, Materialien (Buch und Arbeitsmappe) Sinn.

So muss etwa unbedingt folgender O-Ton der Protagonistin im Buch richtig gestellt werden: „Vorsicht, Vorsicht!“ sagt meine innere Stimme. „Das sind irgendwelche Männer, die sich an Kindern vergreifen. Wie hießen die noch? Pädophile oder so. Oder es waren lesbische alte Frauen. Wie war nochmal der Fachbegriff dafür?“

Die Arbeitsblätter sind ebenfalls nur sehr bedingt für die Freiarbeit oder für die Hausarbeit geeignet. Das AB 19 etwa, in dem es um Pädophile geht, ist einerseits stark vereinfachend, fragt andererseits jedoch Bereiche ab, die nicht wirklich erklärt werden (Wo finden Pädophile ihre Opfer?).

Ausgesprochen problematisch wird es auf AB 21, in dem ein 16-jähriger Junge pädophile Phantasien in Bezug auf kleine Mädchen beschreibt und dann noch ein Verweis auf eine Internetseite angegeben ist, auf dem ähnliche Briefe zu finden sind. Die Aufgabe der Jugendlichen ist es, einen Antwortbrief zu formulieren. Aus meiner Sicht stellt dies eine glatte Überforderung dar, die selbst durch eine sehr kompetente Lehrkraft kaum aufgefangen werden kann.

Auch technisch liegt einiges im Argen. So zeigt AB 39, in dem es um die Software ICQ geht, einen Screenshot eines Internetchats, den die SchülerInnen selbst beschriften sollen. Erklärt wird im Anleitungstext: „Hier auf diesem Bildschirm hat jemand in ICQ gechattet.“ Jugendliche werden hier schnell falsch informiert bzw. merken die fehlende Kompetenz anhand eigenen Wissens.

Viele weitere Beispiele liegen dokumentiert vor und lassen die Bewertung zu, dass sehr fitte Lehrkräfte durchaus einige ausgewählte Arbeitsmaterialien einsetzen können und auch das Buch einige Ansatzpunkte für eine Diskussion mit den SchülerInnen aufweist. Ungeeignet sind Buch und Arbeitsmappe jedoch für die Freiarbeit und die Hausarbeit von SchülerInnen alleine.

Insgesamt: Diesem, für SchülerInnen so wichtigem Thema hätte ich mir eine sorgfältigere Bearbeitung und Recherche gewünscht.

Christine Rudolf-Jilg (Mitarbeiterin bei AMYNA, 45 Jahre)

 

Weitere Rezensionen

Nein! Ich will das nicht!

Geschichten zum Vorlesen und Drüberreden für die Prävention…

Überleben

Anne Elisabeth Dobbs Schwarzmann & Schwarzkopf ISBN…

Eltern von sexuell missbrauchten Kindern

Dirk Bange Hogrefe Verlag ISBN 978-3-801-72357-6 Unzählige…

300 kByte Angst

Boris Koch Gulliver von Beltz & Gelberg ISBN: 978-3-407-74096-0 Bender,…

Rotkäppchen muss weinen

Beate Teresa Hanika Fischer Verlag ISBN 978-3-596-85336-6 Malvina…

Bewegliche Ziele

Agnes Hammer Loewe Verlag GmbH ISBN: 978-3-7855-6475-2…

Ich sag Nein!

Arbeitsmaterialien gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen…

Werwölfe

Eine Geschichte und Bilder zum Thema sexueller Missbrauch von…

Im Chat war er noch so süß!

Annette Weber Verlag an der Ruhr ISBN: 10: 3-8346-0065-2 Annette…

Nicht allein

Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt Christine…

Toll, toller, tolerant

Grundschulkinder lernen Verständnis füreinander Karina und…

Konfliktstoff Kopftuch

Eine thematische Einführung in den Islam Jochen Bauer Verlag…

Kinder lernen den Islam kennen

Ruth Parmiter / Monika Price Verlag an der Ruhr 2002 ISBN…

Ich werde es sagen

Geschichte einer missbrauchten Kindheit Jensen, Kristian Ditlev Klett-Cotta…

Kurzer Rock

Christina Wahldén Fischer Taschenbuch Verlag ISBN 3-596-80477-9…

Nicht allein

Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt

Christine Striebel

Orlanda, ISBN 3-936937-12-5 (vergriffen)

neu: Engelsdorfer Verlag ISBN 987-3-86901-767-9

Christine Striebel verarbeitet mit diesem Buch auch die eigene Betroffenheit. Ihr vorrangiges Ziel ist es aber, Frauen, die sexuelle Gewalt in der Kindheit erlebt bzw. überlebt haben, auf dem Weg zur Heilung zu beraten und Hilfestellungen anzubieten.

Gemeinsam mit anderen Überlebenden gibt sie im vorliegenden Buch Ratschläge zur Selbsthilfe. Sie hat dazu Betroffene zu unterschiedlichen Themenbereichen befragt und deren Erinnerungen, Tipps und Anregungen gesammelt und um zahlreiche eigene Tipps und Ideen zur Selbsthilfe ergänzt.

Gerade in Kapitel 5 “Tipps und Anregungen für Überlebende für die Aufarbeitungszeit” finden sich so viele Methoden und Übungen, dass sicherlich jede etwas passendes für sich und ihre individuelle Situation in diesem “Schatzkästchen” finden dürfte.

Striebel versucht durch ihren eigenen Text den roten Faden des Buches zu bilden. Leider gelingt dies nur zum Teil. Ist die Gliederung auch schlüssig und macht neugierig, enttäuschen doch einige Unterpunkte, die bei mir mehr Erwartungen weckten. Das Kapitel “Hilfe und Unterstützung aus dem Umfeld” hätte ich mir umfangreicher und differenzierter gewünscht, ebenso das Kapitel “Therapiemöglichkeiten”. Der Literatur- und Adressteil am Schluss des Buches ergänzt sinnvoll, wenn auch ebenfalls nicht wirklich umfassend.

Ein Buch, das für Betroffene wohl den richtigen Ton trifft (es wird im Web auf den Selbsthilfeseiten sehr gelobt), das jedoch für Fachkräfte in der Prävention von sexuellem Missbrauch nur bedingt neue Informationen und Anregungen für die eigene fachliche Arbeit gibt.

2005 Christine Rudolf-Jilg

 

Weitere Rezensionen

Nein! Ich will das nicht!

Geschichten zum Vorlesen und Drüberreden für die Prävention…

Überleben

Anne Elisabeth Dobbs Schwarzmann & Schwarzkopf ISBN…

Eltern von sexuell missbrauchten Kindern

Dirk Bange Hogrefe Verlag ISBN 978-3-801-72357-6 Unzählige…

300 kByte Angst

Boris Koch Gulliver von Beltz & Gelberg ISBN: 978-3-407-74096-0 Bender,…

Rotkäppchen muss weinen

Beate Teresa Hanika Fischer Verlag ISBN 978-3-596-85336-6 Malvina…

Bewegliche Ziele

Agnes Hammer Loewe Verlag GmbH ISBN: 978-3-7855-6475-2…

Ich sag Nein!

Arbeitsmaterialien gegen den sexuellen Missbrauch an Mädchen…

Werwölfe

Eine Geschichte und Bilder zum Thema sexueller Missbrauch von…

Im Chat war er noch so süß!

Annette Weber Verlag an der Ruhr ISBN: 10: 3-8346-0065-2 Annette…

Nicht allein

Unterstützung von Betroffenen sexueller Gewalt Christine…

Toll, toller, tolerant

Grundschulkinder lernen Verständnis füreinander Karina und…

Konfliktstoff Kopftuch

Eine thematische Einführung in den Islam Jochen Bauer Verlag…

Kinder lernen den Islam kennen

Ruth Parmiter / Monika Price Verlag an der Ruhr 2002 ISBN…

Ich werde es sagen

Geschichte einer missbrauchten Kindheit Jensen, Kristian Ditlev Klett-Cotta…

Kurzer Rock

Christina Wahldén Fischer Taschenbuch Verlag ISBN 3-596-80477-9…