Diese Seite ist für Ihre Fragen zum Präventionspreis da!

Für den Präventionspreis 2019 lautet das Schwerpunktthema „Schulische Maßnahmen zur Prävention sexueller Gewalt durch Kinder, Jugendliche und Erwachsene“. Dies ist ein sehr großer und vielfältiger Bereich. Eine einzelne Ausschreibung kann mit ihren Informationen allen Facetten natürlich nicht gerecht werden. Aus diesem Grund haben wir diese Seite eingerichtet und versuchen, Ihre Fragen so gut wie möglich zu bearbeiten

Ihr Anliegen ist noch nicht dabei? Dann schicken Sie dieses bitte an ab@amyna.de . So kann Ihre Frage nach der Beantwortung in diesen Katalog aufgenommen und die für Sie nötigen Informationen gegeben werden.

“Was bedeutet, dass das Schwerpunktthema strukturell verankert sein muss?”

Eine strukturelle Verankerung bedeutet die Festsetzung der Maßnahmen im Schulbetrieb auf allen Ebenen. Sie kann z.B. in einer Handreichung für die Schule beschrieben werden, an die sich alle in der Schule Tätigen halten müssen. Sinn dessen ist die Förderung einer größtmöglichen Nachhaltigkeit – im Alltag und in den Strukturen fest verankerte Maßnahmen haben eine größere Wirkung als ein Projekt, das einmal jährlich oder bei Bedarf stattfindet.

“Was gehört zu einer Risiko- und Potenzialanalyse?“

Genaue Informationen und Ausführungen finden Sie zum Beispiel unter www.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de. Hier werden für die Risikoanalyse zwei grundlegende Fragen beschrieben: „Welche Strukturen, räumlichen Gegebenheiten, Situationen oder Gepflogenheiten bergen besondere Risiken für sexuelle Übergriffe bis hin zu Missbrauch?“ und „Wie groß ist die Gefahr, dass eine Schülerin oder ein Schüler an dieser Schule keine Hilfe findet oder gar nicht danach sucht?“ Die Potenzialanalyse geht außerdem davon aus, dass jede Schule bereits einige Maßnahmen verankert hat, die zur Prävention von sexueller Gewalt beitragen. Es macht also Sinn, sich die einzelnen Bausteine eines Schutzkonzeptes vor Augen zu führen und zu prüfen, was bereits bearbeitet wird oder wurde. Wir empfehlen, eine solche Risiko- und Potenzialanalyse mit einer externen (Fach-)Beratungsstelle zusammen zu erarbeiten, um schulinterne „blinde Flecken“ möglichst gut aufdecken zu können.

“Wieso steht ein „Beteiligungs- und Beschwerdekonzept für Schüler*innen“ speziell in der Nominierung benannt? Jede Schule muss eine SMV haben, die dafür zuständig ist.“

Die Erfahrung zeigt, dass zum einen Schüler und Schülerinnen häufig nicht den genauen Auftrag einer SMV kennen und so ihr Anliegen eventuell nicht in deren Zuständigkeit sehen. Zum anderen brauchen Kinder und Jugendliche – alle mit ihren eigenen, individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen – verschiedene Möglichkeiten der Mitteilung. Sie sollen zum einen in jedem Fall möglichst niedrigschwellig die Chance haben, auf ihre Weise von einer erlebten Ungerechtigkeit, Grenzverletzung oder Gewalt zu berichten (also sich zu „beschweren“). Zum anderen ist es für Mädchen* und Jungen* eine wichtige Erfahrung (vor allem auch im Sinne der Prävention), dass ihre Stimme wichtig ist und gehört wird. Eine aktive Mitgestaltung des Schulalltags zeigt den Kindern und Jugendlichen: Ihr habt Rechte und es ist uns wichtig, dass ihr diese Rechte in der Schule erlebt!

“Wieso sind die „Maßnahmen der Sexualpädagogik“ ein extra Punkt? In Bayern gibt es doch die Richtlinien für die Familien- und Sexualerziehung!

Das ist richtig – allerdings weisen diese Richtlinien hauptsächlich auf Ziele, Themenbereiche und Umsetzung hin. Im Bereich der Sexualpädagogik ist es aber wichtig, zum einen Inhalte und Methoden gut zu reflektieren (am besten zusammen mit Kolleg*innen). Zum anderen muss deutlich gesagt werden: Auch wenn Sie das Thema aktuell nicht im Unterricht behandeln, sind Sie sexualpädagogisch tätig! Kinder und Jugendliche geben ihre Sexualität nicht am Schultor ab – indem Sie Dinge (nicht) ansprechen, auf Situationen (nicht) reagieren oder eine bestimmte Sprache verwenden, vermitteln Sie den Mädchen* und Jungen* Botschaften und Haltungen zu Sexualität. Durch eine gemeinsame Reflexion sollte hier ein „roter Faden“ bzw. eine Grundhaltung des Kollegiums erarbeitet werden.

„Was ist eine Kindeswohlgefährdung?“

Eine „Kindeswohlgefährdung“ ist ein sogenannter unbestimmter Rechtsbegriff. Es gibt hier keine eindeutige, für alle gleichermaßen gültige Definition. Allerdings gibt es ein Urteil des Bundesgerichtshof, das eine weit verbreitete Beschreibung liefert.

Hier heißt es: „Eine Kindeswohlgefährdung im Sinne des § 1666 I BGB liegt vor, wenn eine gegenwärtige, in einem solchen Maß vorhandene Gefahr festgestellt wird, dass bei der weiteren Entwicklung der Dinge eine erhebliche Schädigung des geistigen oder leiblichen Wohls des Kindes mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. An die Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts sind dabei umso geringere Anforderungen zu stellen, je schwerer der drohende Schaden wiegt.“

Wir verstehen genauer unter einer Kindeswohlgefährdung körperliche und psychische Misshandlung, körperliche und psychische Vernachlässigung, jugendliche Autonomiekonflikte und sexuellen Missbrauch. Entscheidend dabei ist, dass die Gefährdung von den Eltern ausgeht oder dadurch entsteht, dass die Eltern die Gefährdung nicht verhindern.

„Wie finden wir eine Fachstelle, die uns bei der Arbeit begleitet?“

Sie können beispielsweise AMYNA e.V. anfragen, wir begleiten Institutionen z.B. bei der Erstellung und Einführung von Schutzkonzepten. Ansonsten finden Sie auf dem „Hilfeportal Sexueller Missbrauch“ ganz einfach Fachstellen in Ihrer Nähe.

„Wer entscheidet über die Vergabe des Präventionspreises?“

Alle eingesandten Bewerbungen werden in der Mitfrauenversammlung von AMYNA e.V. im November 2018 vorgestellt. Alle stimmberechtigten Mitfrauen wählen schließlich den/die nächste Preisträger*in per Mehrheitsentscheid.

„Wie werden die Einsendungen bewertet?“

In die Bewertung und Abstimmung der Bewerbungen fließen die Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung zur Prävention sexueller Gewalt sowie die Erfahrungswerte der pädagogischen Fachkräfte von AMYNA e.V. ein. Grundlegende Punkte wie beispielsweise eine gelingende Beteiligung und Beschwerde für Schüler*innen, ein Einbezug aller Ebenen und Beteiligten einer Schule und eine reflektierte Sexualerziehung fallen stärker ins Gewicht als ein Leitbild oder eine Platzierung in der Öffentlichkeitsarbeit der Schule.