Öffentlichkeitsarbeit

Verständliche Prävention

„Was immer du schreibst, schreibe kurz und sie werden es lesen, schreibe klar und sie werden es verstehen, schreibe bildhaft und sie werden es im Gedächtnis behalten.“ (Josef Pulitzer)

Öffentlichkeitsarbeit definiert sich, egal an wen sie sich richtet und welchen Zweck sie verfolgt, nur zu einem Teil darüber, Texte zu schreiben – jedoch gilt der Satz Pulitzers sicherlich auch für das gesprochene Wort und alle anderen Formen der Kommunikation mit „der Öffentlichkeit“.

Will Prävention vor sexueller Gewalt gesellschaftlich etwas bewegen, kommt auch sie um gezielte und überlegte Öffentlichkeitsarbeit kaum herum. Ist sie doch das mächtigste Instrument der Meinungsbildung, die wir kennen. Das Feld für die Öffentlichkeitsarbeit im Dienst der Prävention von sexuellem Missbrauch ist dabei vielfältig.

Hauptsache erwachsen

Zielgruppe unserer Öffentlichkeitsarbeit sind nahezu ausschließlich erwachsene Menschen und nicht Kinder. Ausgehend von unseren Leitsätzen und der Haltung, dass gute Prävention Erwachsene gezielt befähigt, Mädchen* und Jungen* vor sexueller Gewalt nachhaltig und wirksam zu schützen, aber auch unserem Arbeitsauftrag „Erwachsenenbildung“ wenden wir uns in allen o.g. Bereichen (von wenigen Fällen abgesehen) ausnahmslos an die Erwachsenen.

Prävention vor sexueller Gewalt fachlich gezielt und effizient weiterzuentwickeln, kann nur dann glücken, wenn sich Forschende, aber auch Fachkräfte aus der Praxis dem (fachlichen) Dialog und der (fachlichen) Kritik stellen. Dafür ist die Publikation im Rahmen der Fachöffentlichkeit das geeignete Mittel. Öffentlichkeitsarbeit in dieser Form stellt also Weiterentwicklung und Qualifikation im Bereich der Prävention von sexueller Gewalt sicher.

Balancekunststück Öffentlichkeitsarbeit

Wirklich geglückte Öffentlichkeitsarbeit in unserem Arbeitsfeld lebt von der Balance zwischen vorhandenem komplexem und differenziertem Wissen zur Prävention von sexueller Gewalt einerseits und pointiertem, zielgruppengerechtem Output andererseits.

Dabei besteht der Anspruch, dass – trotz der z.T. bestehenden Notwendigkeit komplexe Informationen zu vereinfachen und stark zu verkürzen -, die Informationen, die die jeweilige Zielgruppe erreichen, jeder fachlichen Kritik standhalten können und nicht verfälscht wurden.

Obwohl Informationen zielgruppenspezifisch zu entwickeln und zu transportieren sind, ist eine weitere Anforderung an die Prävention in der Öffentlichkeitsarbeit, dass sie „gute“ Prävention als Marke über alle Zielgruppen hinweg erkennbar macht und klare Botschaften vermittelt. Unsere Zielgruppen müssen erkennen können, wofür wir stehen.

Prävention macht Spaß

Kreativität und die Fähigkeit, Prävention als kraftspendend und energievoll darzustellen und die Freude und den Spaß an der Präventionsarbeit herauszuarbeiten, sind unverzichtbare Elemente von gelungener Prävention im Arbeitsfeld „Öffentlichkeitsarbeit“.

Öffentlichkeitsarbeit ohne O-Ton

Sehr bekannt ist unter sozialen Einrichtungen vermutlich die Anfrage verschiedener Presseorgane nach einem O-Ton Betroffener und der Umgang mit derselben.

So verständlich das Interesse der Medien ist, anhand von Beispielen (am besten eben mit Originalzitaten betroffener Personen illustriert) ein Thema anschaulich und für Leser*innen, Zuhörer*innen und Zuschauer*innen plastisch erfahrbar darzustellen: in unserem Themenbereich, der Prävention von sexuellem Missbrauch, verbietet es sich selbstredend, Mädchen* und Jungen*, die sexuelle Gewalt erleben mussten, dann auch noch als „Betroffene“ in den Mittelpunkt der Medienberichterstattung zu stellen.

Diese Grenze ist immer wieder und deutlich zu ziehen. Schade, wenn eine Gelegenheit dadurch nicht genutzt werden kann, das Thema zu transportieren. Meist jedoch kommt es entscheidend darauf an, was den Medienvertreter*innen an alternativen „Bildern“ angeboten bzw. vorgeschlagen wird.

Neben fundiertem Wissen auch eine Haltung zu vermitteln ist Aufgabe von Öffentlichkeitsarbeit zur Prävention. Respekt vor jedem Menschen ist dabei oberste Handlungsmaxime. Ergänzend dazu kann, gerade in Bezug auf die Medien, auf die Selbstverpflichtung der Medien im Umgang mit der Berichterstattung zu Gewalttaten verwiesen werden.

Wegducken gilt nicht!

Diese Anforderung an Prävention im Bereich Öffentlichkeitsarbeit gilt gerade in Bezug auf die Medien, aber auch bei der Planung von Veranstaltungen und sogar der internen Kommunikation. Die Angst Fehler zu machen, nicht immer gut da zu stehen, falsch zitiert zu werden ist sicherlich handlungsleitend für manche Einrichtung im Umgang mit den Medien oder bei der Planung von Aktionen und Kampagnen. Dabei ist nichts älter als die Schlagzeile von gestern und Öffentlichkeitsarbeit muss Fehler machen dürfen. Aber sie muss diese Fehler auch kritisch reflektieren und zukünftig dann vermeiden. Nicht alles lässt sich am grünen Tisch bzw. aus Büchern lernen. Öffentlichkeitsarbeit lebt auch vom Ausprobieren und mutig sein. Mut dazu, ein Thema auf eine Zielgruppe hin zuzuschneiden um dann festzustellen, dass sie sich falsch verstanden fühlt. Mut dazu, sich dies auch als eigenen Fehler einzugestehen. Mut dazu, mit dieser Zielgruppe in einen Dialog zu treten und mehr über sie zu erfahren. Und Mut dazu, den eigenen Kurs dann dementsprechend zu korrigieren.

AMYNA e.V. muss und musste – wie viele andere Einrichtungen auch – die Erfahrung machen, dass Berichte in den Medien die Prävention von sexuellem Missbrauch auch mal falsch oder stark verkürzt darstellen. Ein guter Ausweg aus dieser sicherlich unbefriedigenden Situation ist es jedoch nicht, die Zusammenarbeit mit den Medien zu vermeiden, sondern sie im Gegenzug zu intensivieren und gezielter Fehlerquellen in der Kommunikation zu identifizieren um sie zukünftig vermeiden zu können. Die Presse braucht klare und verständlich formulierte Informationen. Job der Öffentlichkeitsarbeit in der Prävention von sexuellem Missbrauch ist es, Missverständliches deutlicher zu formulieren und aus Missverständnissen zu lernen.

Meinungsmache in Kooperation

Eine Einrichtung macht noch keine Meinung, verändert noch nicht die Gesellschaft. In Kooperation mit anderen Fachstellen zur Prävention und Intervention von sexueller Gewalt ist „Meinungsmache“ jedoch leichter und erhält in der Öffentlichkeit mehr Gewicht.

Vernetzung und Kooperation mit anderen Einrichtungen gerade auch im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit ist daher ein zentrales Instrument „mächtiger“ Öffentlichkeitsarbeit. Das eigene Profil nach außen zu verlieren, ist häufig die Sorge, die viele an konzertierten Aktionen hindert. Dabei erfordern gerade diese Zusammenarbeit und der Dialog mit „den anderen“ im Rahmen dieser Kooperation die Schärfung des eigenen Profils und der eigenen Haltung.

Da Prävention im Bereich Öffentlichkeitsarbeit in der Regel nur über begrenzte zeitliche und personelle Ressourcen verfügt, ist es nicht nur ein Gebot von Effizienz und Synergieeffekten eventuelle Animositäten zwischen Einrichtungen hintan zu stellen, es erleichtert die Umsetzung eigener Ziele ungemein, wenn mehrere Einrichtungen das gleiche Themenfeld „beackern“.

Neue Medien – neue Wege

Trotz o.g. Synergieeffekte durch Kooperationen lässt sich Prävention im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit nur dann sinnvoll planen, umsetzen und auswerten, wenn ein Mindestmaß an personellen und finanziellen Ressourcen vorhanden ist.

In unserem Informationszeitalter gilt es auch und vor allem im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit über ausreichend Mittel und Methoden verfügen zu können um die Zielgruppen auf unterschiedlichen, zeitgemäßen Wegen in angemessener Form informieren und mit ihnen in Dialog treten zu können. Und dies bedeutet auch, dass Prävention neue Wege gehen muss, um alle Zielgruppen zu erreichen.

Prävention in der Öffentlichkeitsarbeit muss sich daher aus unserer Sicht an Erwachsene richten, ohne Mädchen* und Jungen* aus dem Auge zu verlieren, dabei zielgruppenspezifisch (auch im Sinne von Diversity) ausgerichtet, plakativ und trotzdem thematisch fundiert sein, eigene Haltungen vertreten, Grenzen zum Schutz von Mädchen* und Jungen* setzen, mit anderen vernetzt zusammenarbeiten und kooperieren und dabei immer im Trend bleiben.

Eine Herausforderung, die Spaß machen kann!