Online gegen sexuelle Gewalt!

Veränderte Rahmenbedingungen benötigen neue Formate zur Prävention von sexuellem Missbrauch

Die aktuelle Situation ist für pädagogische Fachkräfte, aber auch für Kinder, Jugendliche und deren Familien eine große Herausforderung. Der Verein AMYNA e.V. hat Tipps für Pädagogen und Pädagoginnen und erweitert sein Angebot, um Einrichtungen und Schulen im Kinderschutz und der Prävention von sexuellem Missbrauch zu unterstützen. Gerade jetzt gilt: Kinderschutz geht alle an!

In der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik wurde wieder deutlich, dass Kinder und Jugendliche in großem Ausmaß von sexuellem Missbrauch betroffen sind. Alleine für Kinder unter 14 Jahren wurden 2019 13.670 Fälle erfasst. Die Dunkelziffer liegt laut Studien deutlich höher. Der Großteil der Täter*innen – die Forschung geht von 75-80% der Fälle aus – kommt aus dem sozialen Nahfeld von Kindern und Jugendlichen: Familie, Bekannte, Kindertagesstätten, Schulen, Sportvereine, etc.

Um so wichtiger, dass in Zeiten einer globalen Krise dieses Thema nicht aus dem Blick gerät. Anja Bawidamann, Presseverantwortliche von AMYNA e.V., fordert: „Pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte arbeiten gerade unter außergewöhnlichen Bedingungen. Der Kontakt zu Kindern, Jugendlichen und deren Familien ist nur sehr eingeschränkt möglich. Dabei wissen wir: Kein Kind kann sich alleine vor sexuellem Missbrauch schützen! Da ist es noch wichtiger, dass Pädagogen und Pädagoginnen Wissen zum Thema sexueller Missbrauch und dem richtigen Vorgehen im Verdachtsfall haben.“

Was also tun? Anja Bawidamann gibt Tipps: „Beispielsweise können Lehrkräfte den Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern nutzen, um sich als Ansprechperson zur Verfügung zu stellen. Sie können deutlich machen: Vielen Kindern und Jugendlichen geht es gerade nicht so gut. Du kannst mit mir reden, wenn dich etwas bedrückt. Ich kann mich darum kümmern, dass du Hilfe bekommst. Gerade bei jüngeren Kindern ist auch der Kontakt mit Eltern(teilen) wichtig. So kann mit diesen besprochen werden, welche Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen, wenn sie überlastet sind oder in eine familiäre Krise geraten.

Um die Einrichtungen und Schulen bei dieser Aufgabe zu unterstützen, bieten die Fachkräfte von AMYNA e.V. nun ein breites Portfolio an Online-Angeboten an. Unter https://amyna.de/wp/angebot/web-angebote/ finden sich viele Angebote für OnlineSchulungen, sogenannte Webinare. In diesen Webinaren erhalten die Teilnehmenden Wissen zu sexuellem Missbrauch, zu digitalen Formen sexueller Gewalt, zu Prävention unter Berücksichtigung interkultureller Aspekte, kindlicher Sexualität und vielem mehr.

Die Mitarbeiterinnen von AMYNA e.V. bieten aber auch Begleitung bei der Erstellung von Schutzkonzepten. Schutzkonzepte sind Konzepte, bspw. in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und in Schulen, die sexuellem Missbrauch vorbeugen und betroffenen Mädchen* und Jungen* verlässliche Hilfe ermöglichen sollen. „Viele Kitas oder Schulen, mit denen wir im  Kontakt stehen, nutzen die Zeit mit eingeschränktem Kontakt dafür, Schutzkonzepte zu erstellen. Wir finden das großartig! Unterstützung und Begleitung durch externe Fachstellen wie AMYNA ist dabei hilfreich. Viele kennen das selbst: Man wird betriebsblind und kann deshalb manche Probleme nicht mehr offen betrachten. Oder es fehlt die Erfahrung, wie Präventionsmaßnahmen, beispielsweise Beschwerdesysteme, für alle Kinder und Jugendlichen kreativ angepasst werden können. Das möchten wir den Einrichtungen bieten!“ In der Fachszene ist man sich einig, dass ein solches Konzept mit externer Hilfe erstellt werden sollte. Ein bundesweites Monitoring zum Stand von Schutzkonzepten in Deutschland spiegelt ebenfalls klar die guten Erfahrungen mit externen Fachstellen bei der Erstellung von Schutzkonzepten wider.

Informationen zum aktuellen Angebot an Qualifizierungsmaßnahmen und Veröffentlichungen finden sich auf www.amyna.de.

Die Beratung zur Prävention von sexuellem Missbrauch und Weitervermittlung im Verdachtsfall steht weiterhin allen Interessierten zur Verfügung.
Telefonische Beratung ist möglich:
Dienstag 10-12 Uhr und 14-16 Uhr, sowie Donnerstag 10-12 Uhr unter 089 / 890 57 45 – 100.
Ebenfalls können sich Interessierte bezüglich der Einschätzung von kindlichen sexuellen Verhaltensweisen und dem Vorgehen bei sexuellen Grenzüberschreitungen durch Kinder und Jugendliche an uns wenden:
Mittwoch 9-11 Uhr unter 089 / 890 57 45 – 120.