Verleihung des Präventionspreis 2018

Kommunikation mittels Smilies, Bildkarten und Talkern soll vor Missbrauch schützen

Der Verein zur Betreuung und Integration behinderter Kinder und Jugendlicher (BiB) e.V. erhält den AMYNA Präventionspreis 2018

Erstmalig wurde am 17.05.2018 mit dem Verein zur Betreuung und Integration behinderter Kinder und Jugendlicher (BiB) e.V. eine Einrichtung für ein inklusives Partizipations- und Beschwerdesystem mit dem AMYNA-Präventionspreis ausgezeichnet.

BiB e.V. ist ein ambulanter Dienst, der sich mit seinen Angeboten auf Kinder und Jugendliche mit Handicaps bis zu einem Alter von 21 Jahren bezieht. Er bietet einen Familienentlastungsdienst, FerienErlebnisWochen, Freizeiten und Aktionstage, Schul- und Individualbegleitung, Schulsozialarbeit, inklusive Projekte (z.B. Koch- und Theatergruppen), Angebote für Geschwister-kinder sowie Beratung für Angehörige und Fachkräfte an.

Da Kinder und Jugendliche mit Behinderung ein deutlich erhöhtes Risiko haben, sexuell missbraucht zu werden, ist es besonders wichtig, diese Kinder und Jugendliche gut zu schützen.

Daher hat BIB e.V. verschiedene Maßnahmen zum Schutz, u.a. im Bereich der Beteiligungs- und der Beschwerdemöglichkeiten, ergriffen. So werden z.B. für die Planung aller Freizeitangebote verschiedene Wege genutzt, Wünsche auch nicht-sprachlich abzufragen (Bildkarten, Smilies, Talker). „Wenn du uns was flüstern willst“, heißt wiederum eine Postkarte, auf die Kinder und Jugendliche mit Behinderung ein (gerne auch kritisches) Feedback zu Betreuungsangeboten geben können und sollen. Für besonders intensive 1:1 Kontakte von Freizeit-Helfer*innen und Schulbegleitungen gibt es differenzierte Einarbeitungspläne, Begleitung, Reflexions- und Beratungsangebote. Auch die Eltern werden über mögliche Gefährdungen informiert und gebeten, sich zu melden, wenn sie Verhaltens-änderungen ihres Kindes während der Betreuung bemerken.

Petra Straubinger, Mitarbeiterin von AMYNA e.V., hob in ihrer Einführung hervor, dass „Mädchen* und Jungen* durch Partizipation sich selbst, ihre Rechte und ihre Möglichkeiten besser kennenlernen und so auch entdecken, was sie mögen und was nicht.“

Die Laudatorin Simone Blaser, Mitarbeiterin bei AMYNA und Autorin des Buchs „Prävention all inclusive“, betonte: „Ob Ponyreiten, Zugfahren, Kletterkurse, mit dem Rollstuhl den Schlittenberg befahren – all dies ermöglicht Erlebnisse, die nicht nur Spaß machen, sondern den Mädchen* und Jungen* auch zeigen: Dann, wenn Menschen mögen, wenn sie kreativ werden und wenn sie sich trauen, dann können Wege gefunden werden, die Unterschiedlichkeit zur Normalität werden zu lassen. Solche inklusiven Möglichkeiten der Partizipation sind ein wesentlicher Leitgedanke der Arbeit von BiB e.V. und werden von den Mitarbeitenden als Grundbaustein der Inklusion gesehen.  Die Arbeit von BiB e.V. zeigt deutlich, dass das Team sehr reflektiert mit diesem Thema umgeht und sich intensiv überlegt hat, wie sie Mädchen* und Jungen* beteiligen und wie sie ihnen Beschwerden ermöglichen können.“

Die 3000€ Preisgeld, die die Prämierten in Form eines großen Schmuckschecks symbolisch überreicht bekamen, wurden durch den Betriebsrat von Ingram Micro gespendet sowie durch eine Crowdfunding-Aktion im Internet gesammelt. Binnen weniger Wochen konnten dort wieder viele Spender und Spenderinnen für eine Unterstützung gewonnen werden. Dadurch kann die Hälfte der Betriebsrats-spende bereits für den Präventionspreis 2019 zur Verfügung gestellt werden.

Auch das Thema der Ausschreibung für den Präventionspreis 2019 steht bereits fest: Es geht um Schulen. Alle Schulen, die ein oder mehrere Maßnahmen eines Schutzkonzeptes nachhaltig entwickelt und eingeführt haben, können sich um den Preis bewerben bzw. dafür vorgeschlagen werden. Weitere Infos dazu gibt es auf der Website von AMYNA unter „Präventionspreis“.

Der AMYNA-Präventionspreis versteht sich als öffentliche Anerkennung für gelungene und nachhaltige Präventionsarbeit und wird seit 2005 durch den Verein AMYNA e.V. verliehen.