Kinderrechte müssen auch während der Krise gewahrt werden!

Während Corona-Fallzahlen und deren wirtschaftliche Auswirkungen weitestgehend die gesellschaftliche Auseinandersetzung bestimmen, geraten Kinder immer wieder aus dem Blick. Dabei sind gerade Kinder diejenigen, die in der aktuellen Situation unseren besonderen Schutz benötigen.

Die Rechte von Kindern sind seit mehr als 30 Jahren in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben und bilden eine wichtige Grundlage für die Wahrung des Kindeswohls. Das bedeutet, Kinder haben das Recht, gehört zu werden. Und sie haben das Recht auf Schutz vor Missbrauch und Gewalt und auf ein sicheres Zuhause.

Die aktuellen Einschränkungen aber können zu Dynamiken führen, die das Risiko für verschiedene Gewalterfahrungen verstärken. Wenn einzelne Familienmitglieder ihre eigenen Grenzen nicht mehr wahren (können), wenn Eltern keine Unterstützung dabei bekommen, die Bedürfnisse ihrer Kinder neben ihrer eigenen Belastung zu sehen und wenn Kinder nur wenige verlässliche Ansprechpersonen außerhalb der eigenen vier Wände haben, die gegebenenfalls intervenieren könnten, kann das zu Missbrauch und Gewalt führen. „Eltern stehen gerade vor der großen Herausforderung, ihre Kinder sicher durch diese Zeit zu begleiten und gleichzeitig ihre eigene Belastung auszuhalten. Da kann sich die familiäre Situation zuhause sehr zuspitzen.“, so Anja Bawidamann, Presseverantwortliche für AMYNA e.V.

„Kinder können sich nicht alleine schützen. Und manche Eltern können vielleicht aufgrund der Belastung gerade den Schutz ihrer Kinder nicht übernehmen oder ihr eigenes Handeln hinterfragen.“, so Bawidamann weiter. „Prävention bedeutet hier, die Eltern dabei zu unterstützen, sensibel mit ihren Kindern in dieser Situation umzugehen. Gerade jetzt ist es wichtig für Familien, dass die Grenzen zwischen Familienmitgliedern und den Generationen so gut wie möglich gewahrt werden. Das bedeutet, dass sowohl Eltern ihre Grenzen haben und vertreten dürfen, als auch dass die Grenzen von Kindern gewahrt werden müssen – vor allem, wenn diese sie (noch) nicht selbst vertreten können. Auch ein verlässlicher Rahmen bietet Kindern gerade in Krisenzeiten Sicherheit: Kinder müssen erleben, dass ihre Stimme gehört wird und dass sie in diesem eingeschränkten Rahmen nicht „machtlos“ sind. Eltern sollten deshalb Kindern ihr eigenes Verhalten und die Familiensituation möglichst kindgerecht erklären und mit ihnen über ihre Wünsche und Ängste sprechen.“

Manchmal kommen Eltern aber auch an den Rand ihrer Energie und Geduld. Um Familien in dieser Situation zu unterstützen, sind Beratungsstellen und Kinderschutzorganisationen auch in dieser Zeit erreichbar und können Hilfe und Unterstützung bieten. Gerade Mitarbeitende der Kinder- und Jugendhilfe sind jetzt gefragt, im Kontakt mit den Familien im Sinne des Kinderschutzes tätig zu werden. Viele Familien brauchen Unterstützung dabei, in Krisenzeiten einen „kühlen Kopf“ zu bewahren, um die Bedürfnisse der Mädchen* und Jungen* nicht aus dem Blick zu verlieren. Gleichzeitig müssen die Mitarbeitenden ein Auge darauf haben, ob das Kindeswohl vielleicht bereits gefährdet ist.

AMYNA e.V. unterstützt seit mittlerweile 30 Jahren Fachkräfte verschiedener Arbeitsfelder, damit sie dieser Verantwortung im Sinne der Prävention nachkommen können. „Einer unserer größten Arbeitsbereiche besteht in der Fortbildung und Qualifizierung von Fachkräften. Diese Arbeit mussten wir momentan komplett einstellen. Deshalb entwickeln wir gerade ergänzende Online-Angebote, um die Fachkräfte in dieser Zeit zu unterstützen und wichtige Informationen zum Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt bereitzustellen.“, so Yvonne Oeffling, Teil des geschäftsführenden Teams von AMYNA e.V. Doch auch solche digitalen Angebote kosten. Deshalb wurde nun beispielsweise ein Crowdfunding-Projekt gestartet. Unter www.muenchner-bank.viele-schaffen-mehr.de/online-gegen-sexuelle-gewalt werden Spenden gesammelt, um webbasierte Kursangebote finanzieren zu können.

Pressekontakt: Anja Bawidamann, AMYNA e.V., Mail: ab@amyna.de

Hier finden Sie noch einige Hintergrundinformationen zur Pressemitteilung

Was haben Kinderrechte mit Corona zu tun?

Fragen und Antworten aus präventiver Sicht

 

Welche Kinderrechte gibt es?

Die Kinderrechte sind in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben und bestehen aus insgesamt 54 Artikeln. Im Großen und Ganzen lassen sie sich aber auf 10 grundlegende Kinderrechte herunterbrechen:

Das Recht auf Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung. Das Recht auf individuelle Förderung bei Behinderung. Das Recht, sich mitzuteilen und gehört zu werden. Das Recht auf eine Privatsphäre. Das Recht auf Ausbildung und Information. Das Recht auf einen Namen und eine Staatsangehörigkeit. Das Recht auf Schutz vor Missbrauch und Gewalt. Das Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause. Das Recht auf Gesundheit. Das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung.

 Ist Prävention nicht gerade etwas Nachrangiges?

Nein, ganz im Gegenteil. Gerade jetzt ist es wichtig, potentiell kindeswohlgefährdenden Situationen vorzubeugen! Die aktuellen Einschränkungen führen zu Dynamiken, die das Risiko für Gewalterfahrungen noch verstärken. Wenn einzelne Familienmitglieder ihre eigenen Grenzen nicht mehr wahren (können), wenn Eltern keine Unterstützung dabei bekommen, die Bedürfnisse ihrer Kinder neben ihrer eigenen Belastung zu sehen und wenn Kinder nur wenige verlässliche Ansprechpersonen außerhalb der eigenen vier Wände haben, die gegebenenfalls intervenieren könnten, kann das zu Missbrauch und Gewalt führen. Dem müssen wir gerade jetzt dringend entgegenwirken! Dazu brauchen wir aber dringend Ressourcen für Hilfsangebote und sensible Erwachsene im Umfeld der Kinder und Jugendlichen.

 Was sollten Eltern jetzt tun?

Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren. Sicher – das ist viel einfacher gesagt, als getan. Kinder brauchen aber gerade in Krisenzeiten einen verlässlichen Rahmen und abschätzbares Verhalten von ihren Bezugspersonen. Oft hilft es, aus dem Raum zu gehen (falls möglich), damit die Situation etwas abkühlt. Eltern sollten ihr Verhalten und die Situation ihren Kindern so gut wie möglich kindgerecht erklären und mit ihnen über ihre Wünsche und Ängste sprechen. Besonders wenn Familien viel Zeit auf (oft engem) Raum verbringen, sollten Eltern auf ihre eigenen Grenzen und auf die der Kinder achten und diese so gut wie möglich wahren. Manchmal sind Eltern aber auch am Rand ihrer Energie und Geduld. Das geht vielen Eltern so! Eltern können sich auch gerade Hilfe holen, beispielsweise durch eine (Erziehungs-) Beratungsstelle. Diese haben aktuell i.d.R. täglich ihre Telefone besetzt, um Familien auf diesem Weg beraten und begleiten zu können. Die Münchner Erziehungsberatungsstellen finden sich z.B. unter https://erziehungsberatung-muenchen.de/.

 Wo kann ich mich hinwenden, wenn ich bei einer Familie in meinem Umfeld ein schlechtes Gefühl habe?

Auch hier können Sie sich beraten lassen. Vor allem spezialisierte Fachberatungsstellen wie die IMMA-Beratungsstelle (für betroffene Mädchen*, zu finden unter www.imma.de ) und kibs (für betroffene Jungen*, zu finden unter https://www.kinderschutz.de/Angebote/Beratung-bei-sexuellem-Missbrauch/KIBS ) sind hier eine gute Adresse. Die Beratungsstellen sind aktuell telefonisch erreichbar und beraten auf Wunsch auch erst einmal anonym.