Im Chat war er noch so süß!

Annette Weber

Verlag an der Ruhr

ISBN: 10: 3-8346-0065-2

Annette Weber beschreibt in ihrem Buch sehr einfühlsam aus der Sicht von Sarah, wie einsam manche Mädchen in der Pubertät sind. Alle Freundinnen von Sarah haben einen festen Freund gefunden, nur sie nicht. Es beginnen die Sommerferien und ihre Eltern verreisen. Sarah fühlt sich allein. Bis sie auf die Idee kommt, im Chatroom nach Bekanntschaften zu suchen. Aber unbemerkt beginnt hier ein gefährliches Spiel.

Das Jugendbuch bietet viele Hinweise und Tipps, welche Gefahren es im Chat gibt und worauf Jugendliche achten sollten.

In der Sprache der Jugendlichen geschrieben, kann man sich in Sarahs Rolle gut einfühlen und teilweise selbst wiederfinden. Dennoch bleibt Gesprächsbedarf, um mit dem jugendlichen Leser das Ende aufzuarbeiten und mögliche Verhaltensweisen zu besprechen.

Für Erwachsene wird in diesem Buch deutlich, wie Täter systematisch im Chat nach Jugendlichen suchen, ihr Vertrauen gewinnen und sich Stück für Stück zu ihrem Ziel arbeiten. Auf der anderen Seite verdeutlicht Frau Weber das Gefühlschaos von Sarah. Man kann gut nachvollziehen, welche Zweifel sich in ihr auftun und wie diese gekonnt vom Täter verwischt werden, bis sie eine leichte, willenlose „Beute“ ist. Es sind viele schmeichelnde Tricks von Tätern zu finden, um sich den Jugendlichen nähern zu können. Anhand dieses Buches können Erwachsene Präventionsarbeit leisten, um die Kinder und Jugendlichen auf die Gefahren hinzuweisen, vorzubereiten und mögliche Reaktionsmuster zu erarbeiten.

Sinja Bohnert (Praktikantin bei AMYNA, 23 Jahre)


Das Buch ist zum Teil sehr beängstigend. Ich finde nicht, dass es für jüngere Leserinnen zum alleine lesen geeignet ist. Es sollte während des Unterrichts gelesen werden.

Der Schluss ist sehr unbefriedigend, weil sie außer ihrem Freund Alex niemandem von der Gefahr, in der sie geschwebt hat, erzählt. So, wie das Buch geschrieben ist, hätte es durchaus auch anders (schlechter) ausgehen können. Eine Anzeige bei der Polizei wird ganz schnell abgetan und auch den eigenen Eltern mag sie nichts erzählen, weil sie Angst hat, dass sie ihr Vorwürfe machen.

Die Autorin schreibt in einer „Jugendsprache“, die für mich nicht wirklich unsere Sprache ist. Ich finde das Buch eher schlecht.

Schülerin, 15 Jahre


Das Buch von Annette Weber wird ergänzt durch eine Literaturkartei mit gleichem Titel aus der Reihe K.L.A.R. . Beides soll im Unterricht von LehrerInnen eingesetzt werden.

Die Materialien stellen bei einem sinnvollen Einsatz in der Schule hohe Anforderungen an die Kompetenz der LehrerInnen, was die eigenen Computerkenntnisse anbelangt ebenso, wie im Hinblick auf die Kompetenz präventiv mit Mädchen und Jungen zu arbeiten. Nur dann nämlich machen Teile, der z.T. nicht selbst erklärenden, Materialien (Buch und Arbeitsmappe) Sinn.

So muss etwa unbedingt folgender O-Ton der Protagonistin im Buch richtig gestellt werden: „Vorsicht, Vorsicht!“ sagt meine innere Stimme. „Das sind irgendwelche Männer, die sich an Kindern vergreifen. Wie hießen die noch? Pädophile oder so. Oder es waren lesbische alte Frauen. Wie war nochmal der Fachbegriff dafür?“

Die Arbeitsblätter sind ebenfalls nur sehr bedingt für die Freiarbeit oder für die Hausarbeit geeignet. Das AB 19 etwa, in dem es um Pädophile geht, ist einerseits stark vereinfachend, fragt andererseits jedoch Bereiche ab, die nicht wirklich erklärt werden (Wo finden Pädophile ihre Opfer?).

Ausgesprochen problematisch wird es auf AB 21, in dem ein 16-jähriger Junge pädophile Phantasien in Bezug auf kleine Mädchen beschreibt und dann noch ein Verweis auf eine Internetseite angegeben ist, auf dem ähnliche Briefe zu finden sind. Die Aufgabe der Jugendlichen ist es, einen Antwortbrief zu formulieren. Aus meiner Sicht stellt dies eine glatte Überforderung dar, die selbst durch eine sehr kompetente Lehrkraft kaum aufgefangen werden kann.

Auch technisch liegt einiges im Argen. So zeigt AB 39, in dem es um die Software ICQ geht, einen Screenshot eines Internetchats, den die SchülerInnen selbst beschriften sollen. Erklärt wird im Anleitungstext: „Hier auf diesem Bildschirm hat jemand in ICQ gechattet.“ Jugendliche werden hier schnell falsch informiert bzw. merken die fehlende Kompetenz anhand eigenen Wissens.

Viele weitere Beispiele liegen dokumentiert vor und lassen die Bewertung zu, dass sehr fitte Lehrkräfte durchaus einige ausgewählte Arbeitsmaterialien einsetzen können und auch das Buch einige Ansatzpunkte für eine Diskussion mit den SchülerInnen aufweist. Ungeeignet sind Buch und Arbeitsmappe jedoch für die Freiarbeit und die Hausarbeit von SchülerInnen alleine.

Insgesamt: Diesem, für SchülerInnen so wichtigem Thema hätte ich mir eine sorgfältigere Bearbeitung und Recherche gewünscht.

Christine Rudolf-Jilg (Mitarbeiterin bei AMYNA, 45 Jahre)

 

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